9. Philosophie als Lebens-Kunst

Index

1. - Weisheit der Stoiker
2. - Seneca als Lebens-Lehrer
3. - Sklave oder Herr der Dinge
4. - Lehrmeister gelassenen Lebens
5. - Glückselig leben
6. - Seneca und Marc Aurel
7. - Leben lernen
8. - Wie man ein Lebens-Meister wird

9. Philosophie als Lebens-Kunst


10. Schule des Lebens
11. Mächtiger als das Schicksal
12. Mehr Mut zu dir selbst!
13. Das Tun entscheidet
14. Charakterfestigkeit
15. Lebens-Bedürfnisse
16. Der Geist sei Führer
17. Krankheit und Selbst-Beherrschung
18. Furchtlosigkeit
19. Zorn-Überwindung
20. Selbst-Erziehung
21. Besitz-Besessenheit
22. Verluste ertragen
23. Reichtum von innen
24. Freude als Kraftquell
25. Die Gegenwart nützen!
26. Glücksicherung
27. Meide die Masse
28. Freundschaft
29. Adel der Seele
30. Die Einstellung entscheidet
31. Gesinnung und Lebens-Richtung
32. Verhalten und Verhältnisse
33. Rechte Selbst-Richtung
34. Widerstände als Kräftewecker
35. Wille als Wandlungskraft
36. Selbst-Erkenntnis
37. Selbst- und Lebens-Vertrauen
38. Tugend als Lebens-Tauglichkeit
39. Gelassenheit
40. Selbst-Vervollkommnung
41. Vervollkommnung-Stufen
42. Rechte Lebens-Wertung
43. Weisheit des Lebens
44. Weisheiten vom Wege
45. Die Goldene Regel 1
46. Die Goldene Regel 2
47. Gemütsruhe
48. Rechte Sicht
49. Rechtes Verhalten
50. Rechte Selbst-Sicherung
51. Lebens-Zielsetzung
52. Macht der Gedanken
53. Alles ist innen
54. Der Geist in dir
55. Die innere Kraft
56. Zurückgezogenheit
57. Selbst-Einkehr
58. Seelenstillung
59. Verwesentlichung des Lebens
60. Kürze des Daseins
61. Zeit als Lebenshelfer
62. Mehr Ewigkeit-Bewusstsein
63. Von Tod und Verlust
64. Todes-Überlegenheit
65. Unvergänglichkeit
66. Auf dem Weg zur Vollendung
67. Leben ist ewig
68. Alles ist eins
69. Gott in uns

Um richtig zu leben, das Notwendige zu tun und das Hemmende zu lassen, muss man ein Philosoph sein. Was ein Philosoph ist sagt uns Seneca:

»Es ist ein Geschenk von Gott, dass wir leben; dass wir aber richtig und sittlich gut leben, verdanken wir der Philosophie... Die Kenntnis der Lebensweisheit zwar haben die Götter keinem verliehen, allen aber die Anlage dazu. Beim Einzelnen liegt es, was er mit ihr anfängt. Schließlich verdankt man den Grad seiner Weisheit, seiner rechten Gesinnung und Gesundheit sich selbst. Niemand kann sie von anderen empfangen.

Man wendet sie auch nicht als Zeitvertreib an oder um Untätigkeit erträglich zu machen. Sie will und soll uns innerlich formen und bilden. Sie muss unser Leben regeln und unser Tun leiten. Sie steht am Steuer und lenkt unsere Lebensfahrt. Sie verbürgt uns ein Leben ohne Furcht; sie gibt, weil sie nicht Lehre, sondern Tat ist, Sicherheit auf unserem Wege, Gelassenheit und die Fähigkeit der Lebens-Meisterung.

Man lernt sie nicht aus Büchern, sondern in der Schule des Lebens. Bücher können dabei nützliche Wegweiser sein, wenn man nicht viele, sondern gute Bücher hat und beim Lesen eine klare Richtung einhält. Wechselnde Lektüre zerstreut nur.

Sammle dich allezeit auf das Wesentliche und dir Gemäße! Das lässt zwischen dir und der Masse einen wachsenden Abstand entstehen. Was Gott in der Ewigkeit schuf, musst und kannst du in der Zeit erreichen. Welch Gewinn, wenn einer trotz der gebrechlichen menschlichen Natur die Sicherheit eines Gottes besitzt. Unglaubliche Kräfte ruhen in der Philosophie, mit denen man alle Eingriffe des Zufalls wirkungslos machen kann.

Man kann sie wie eine uneinnehmbare Mauer um sich herum aufbauen, die von außen her auch mit dem Aufwand vieler Kampfmaschinen nicht durchbrochen werden kann. Wer sich um äußere Dinge und Umstände nicht mehr sorgt und sich in seiner Burg stark weiß, befindet sich in einer unbesiegbaren Stellung.

Das Schicksal hat nicht den langen Arm, den man ihm zuschreibt; es hat nur Gewalt über Menschen, die sich an das Schicksal klammern oder es fürchten. Daher gilt es, Abstand zu gewinnen, indem wir die Natur und uns selbst klar erkennen, uns bewusst werden, woher wir kamen und wohin wir gelangen wollen, was gut und was schlecht für uns ist, was als Gott-würdig zu erstreben und was zu meiden ist. All das lehrt uns die Philosophie als Lebens-Kunst.«

Sie ist darum das wichtigste Fach in der Schule des Lebens. Marc Aurel vergleicht sie treffend mit der Fechtkunst, »mit der die Lebens-Kunst mehr Ähnlichkeit hat als mit der Tanzkunst, insofern man stets auf unvorhergesehene Streiche gefasst sein und unerschütterlich fest stehen muss.«

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© (Versión Alemán) Karl O. Schmidt, Drei Eichen Verlag, Engelberg / Schweiz
(English traduction by Jörn Malek)