8. Wie man ein Lebens-Meister wird

Index

1. - Weisheit der Stoiker
2. - Seneca als Lebens-Lehrer
3. - Sklave oder Herr der Dinge
4. - Lehrmeister gelassenen Lebens
5. - Glückselig leben
6. - Seneca und Marc Aurel
7. - Leben lernen

8. Wie man ein Lebens-Meister wird


9. - Philosophie als Lebens-Kunst
10. Schule des Lebens
11. Mächtiger als das Schicksal
12. Mehr Mut zu dir selbst!
13. Das Tun entscheidet
14. Charakterfestigkeit
15. Lebens-Bedürfnisse
16. Der Geist sei Führer
17. Krankheit und Selbst-Beherrschung
18. Furchtlosigkeit
19. Zorn-Überwindung
20. Selbst-Erziehung
21. Besitz-Besessenheit
22. Verluste ertragen
23. Reichtum von innen
24. Freude als Kraftquell
25. Die Gegenwart nützen!
26. Glücksicherung
27. Meide die Masse
28. Freundschaft
29. Adel der Seele
30. Die Einstellung entscheidet
31. Gesinnung und Lebens-Richtung
32. Verhalten und Verhältnisse
33. Rechte Selbst-Richtung
34. Widerstände als Kräftewecker
35. Wille als Wandlungskraft
36. Selbst-Erkenntnis
37. Selbst- und Lebens-Vertrauen
38. Tugend als Lebens-Tauglichkeit
39. Gelassenheit
40. Selbst-Vervollkommnung
41. Vervollkommnung-Stufen
42. Rechte Lebens-Wertung
43. Weisheit des Lebens
44. Weisheiten vom Wege
45. Die Goldene Regel 1
46. Die Goldene Regel 2
47. Gemütsruhe
48. Rechte Sicht
49. Rechtes Verhalten
50. Rechte Selbst-Sicherung
51. Lebens-Zielsetzung
52. Macht der Gedanken
53. Alles ist innen
54. Der Geist in dir
55. Die innere Kraft
56. Zurückgezogenheit
57. Selbst-Einkehr
58. Seelenstillung
59. Verwesentlichung des Lebens
60. Kürze des Daseins
61. Zeit als Lebenshelfer
62. Mehr Ewigkeit-Bewusstsein
63. Von Tod und Verlust
64. Todes-Überlegenheit
65. Unvergänglichkeit
66. Auf dem Weg zur Vollendung
67. Leben ist ewig
68. Alles ist eins
69. Gott in uns

Weise Lebensführung, sagt Seneca, »gelingt keinem durch Zufall. Geld kann unerwartet hereinströmen, eine Ehre kann dir angetragen werden, Einfluss und Rang kann dir unversehens zuteil werden; aber sittliche Vollkommenheit, geistige Lebensreife und Daseins-Meisterung fallen dir nicht von ungefähr zu. Man muss sich zeitlebens darum bemühen.«

Und wie wird man eine Lebens-Meister? Die meisten Menschen sind Opfer selbstgeschaffener oder übernommener Täuschungen. Sie sehen Unheil und Gefahren wachsen, während doch nur ihr Wahn wächst und ihren Seelenspiegel trübt. Sie leben Sorgen und Angst-gejagt von der Zukunft, statt das Glück der Gegenwart auszuschöpfen und dadurch die glückliche Zukunft zu sichern.

»Die Welt ist weder vollkommen noch unvollkommen, sondern das was wir aus ihr machen. Je nachdem wie wir die Dinge ansehen, erscheinen sie uns gut oder schlecht, erquicken oder quälen sie uns. Sie haben stets den Wert und die Wirkung, die wir ihnen zudenken. An sich sind sie weder gut noch böse; erst unser Denken macht sie glücklich oder unheilbringend.«

Das meiste Unglück gebiert die falsche Meinung, dass Unglück sein müsse. Man schämt sich nicht, von Leiden und Krankheiten, von Unglück aller Art zu reden. Würde sich jeder erziehen, nur von Gutem, Beglückendem zu sprechen – alle würden glücklicher werden!

Denn wir ziehen herbei, was wir vorwiegend denken und aussprechen. Durch rechtes Denken können wir Leid und Missgeschicke so gut von uns fernhalten wie Missstimmung und Krankheit.

Glücklich ist nach Seneca nur, wer sich um Weisheit bemüht und danach handelt. »Gewiss gibt es hier viele Stufen und auch unter den fortgeschrittenen Schülern der Weisheit große Unterschiede. Bei unserem Streben nach Vervollkommnung hindern uns andere Denkfehler. Aber welch herrliche Belohnung erwartet uns, wenn wir sie abschütteln. Begierde und Furcht können uns dann nicht mehr zum Nachgeben verleiten; Schrecknisse werden uns unbewegt lassen; der Hang zu sinnlichen Vergnügungen wird uns nicht mehr in die Irre führen; und wir werden den Tod so wenig fürchten, wie Gott. Wir werden die beglückende Erfahrung machen, welch unschätzbarer Wert es ist, Herr über uns selbst zu sein. Denn wer Herr über sich ist, ist auch Meister seines Lebens.

Du weißt, in welcher Knechtschaft einer steht, den Sinneslust und Schmerzen, beides kraftlose Gebieter, abwechselnd in Beschlag nehmen. Darum muss man sich durchringen zur Freiheit; diese aber erringt man nur durch die Erweckung des Bewusstseins der Schicksalsüberlegenheit. Dann wird uns jenes unschätzbare Gut zu eigen: Gelassenheit und Erhabenheit der Seele, die einen höheren Standpunkt gefunden, die sich fürchten verlernt hat, die aus der rechten Wahrheitserkenntnis ungestörte Freude gewinnt, stete Freundlichkeit und Heiterkeit des Gemüts.«

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© (Versión Alemán) Karl O. Schmidt, Drei Eichen Verlag, Engelberg / Schweiz
(English traduction by Jörn Malek)