5. Glückselig leben

Index

1. - Weisheit der Stoiker
2. - Seneca als Lebens-Lehrer
3. - Sklave oder Herr der Dinge
4. - Lehrmeister gelassenen Lebens

5. Glückselig leben


6. - Seneca und Marc Aurel
7. - Leben lernen
8. - Wie man ein Lebens-Meister wird
9. - Philosophie als Lebens-Kunst
10. Schule des Lebens
11. Mächtiger als das Schicksal
12. Mehr Mut zu dir selbst!
13. Das Tun entscheidet
14. Charakterfestigkeit
15. Lebens-Bedürfnisse
16. Der Geist sei Führer
17. Krankheit und Selbst-Beherrschung
18. Furchtlosigkeit
19. Zorn-Überwindung
20. Selbst-Erziehung
21. Besitz-Besessenheit
22. Verluste ertragen
23. Reichtum von innen
24. Freude als Kraftquell
25. Die Gegenwart nützen!
26. Glücksicherung
27. Meide die Masse
28. Freundschaft
29. Adel der Seele
30. Die Einstellung entscheidet
31. Gesinnung und Lebens-Richtung
32. Verhalten und Verhältnisse
33. Rechte Selbst-Richtung
34. Widerstände als Kräftewecker
35. Wille als Wandlungskraft
36. Selbst-Erkenntnis
37. Selbst- und Lebens-Vertrauen
38. Tugend als Lebens-Tauglichkeit
39. Gelassenheit
40. Selbst-Vervollkommnung
41. Vervollkommnung-Stufen
42. Rechte Lebens-Wertung
43. Weisheit des Lebens
44. Weisheiten vom Wege
45. Die Goldene Regel 1
46. Die Goldene Regel 2
47. Gemütsruhe
48. Rechte Sicht
49. Rechtes Verhalten
50. Rechte Selbst-Sicherung
51. Lebens-Zielsetzung
52. Macht der Gedanken
53. Alles ist innen
54. Der Geist in dir
55. Die innere Kraft
56. Zurückgezogenheit
57. Selbst-Einkehr
58. Seelenstillung
59. Verwesentlichung des Lebens
60. Kürze des Daseins
61. Zeit als Lebenshelfer
62. Mehr Ewigkeit-Bewusstsein
63. Von Tod und Verlust
64. Todes-Überlegenheit
65. Unvergänglichkeit
66. Auf dem Weg zur Vollendung
67. Leben ist ewig
68. Alles ist eins
69. Gott in uns

Seneca nennt glücklich nicht den, der anderen so vorkommt ,sondern den, der sich selbst glücklich weiß, richtig denkt und urteilt, mit dem Bestehendem zufrieden ist und das was er ist, gutheißt und bejaht:

»Glückselig zu leben wünschen alle; aber die Grundlagen solchen Lebens erkennen nur wenige. Es ist auch nicht einfach, dazu zu gelangen; wer einmal den Weg verfehlt hat, kommt leicht immer weiter davon ab. Man muss sich daher zuerst klar werden, was man ersehnt, um alsdann den Weg zu beschreiten, der am raschesten ans Ziel führt. Einmal auf dem richtigen Wege, sieht man bald, wie viel des Weges man täglich zurückgelegt hat und wie weit das Ziel noch entfernt ist.

Nichts bringt uns mehr zurück auf dem Wege zum Glück, als dass wir uns nach dem Gerede der Leute richten und, statt nach unserer Überzeugung, nach dem Beispiel der Umwelt leben. Mehrheit ist selten Wahrheit. Wir müssen uns selbst fragen, was am besten zu tun sei. Wir müssen das suchen, was als gut erprobt ist, was nicht nur auf der Außenseite gut erscheint, sondern gehaltvoll und sich gleichbleibend und auf der verborgenen Seite noch schöner ist als auf der sichtbaren.

Wie alle Stoiker halte ich mich an die Natur. Von ihr nicht abirren und nach ihrem Gesetz und Vorbild leben, ist Weisheit. Glücklich ist also ein Leben, das mit der Natur in Einklang steht, wozu nötig ist, dass der Geist gesund, kräftig und entschlossen ist, zudem rein und gelassen, sich in die Umstände fügend, auf seinen Körper und dessen Bedürfnisse sehend, jedoch ohne ängstliche Sorge, auch die übrigen zum Leben gehörenden Dinge nicht vernachlässigend, ohne auf irgend eines großen Wert zu legen, bereit die Gaben des Glücks zu nützen, ohne ihr Sklave zu werden.

Du siehst, dass daraus beständige Gemütsruhe und innere Freiheit erwachsen muss. An die Stelle bloß sinnlicher Genüsse und all dessen, was kleinlich, vergänglich und darum leidvoll ist, tritt unerschütterliche Freude, Friede und Harmonie der Seele, gepaart mit Sanftmut; denn Rohheit stammt stets aus Schwäche.

Ein glückseliges Leben ist also jenes, das auf rechter Lebensansicht beruht. Dann nämlich ist die Seele ungetrübt und frei von Übeln und ihrer unüberwindlichen Kraft voll bewusst, wenn sie sich über Verletzungen wie Quälerei gleichermaßen hinwegsetzt, entschlossen stehenzubleiben, wo sie einmal Fuß gefasst hat, und ihren Platz allen Stürmen des Geschicks zum Trotz zu behaupten.«

Dann gelangt sie zur Freiheit und Schicksalsüberlegenheit und hat jene Gelassenheit und Erhabenheit der Seele gewonnen, der unerschütterliche Freundlichkeit und Heiterkeit des Gemüts eignet.

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© (Versión Alemán) Karl O. Schmidt, Drei Eichen Verlag, Engelberg / Schweiz
(English traduction by Jörn Malek)