57. Selbst-Einkehr

Index

1. - Weisheit der Stoiker
2. - Seneca als Lebens-Lehrer
3. - Sklave oder Herr der Dinge
4. - Lehrmeister gelassenen Lebens
5. - Glückselig leben
6. - Seneca und Marc Aurel
7. - Leben lernen
8. - Wie man ein Lebens-Meister wird
9. - Philosophie als Lebens-Kunst
10. Schule des Lebens
11. Mächtiger als das Schicksal
12. Mehr Mut zu dir selbst!
13. Das Tun entscheidet
14. Charakterfestigkeit
15. Lebens-Bedürfnisse
16. Der Geist sei Führer
17. Krankheit und Selbst-Beherrschung
18. Furchtlosigkeit
19. Zorn-Überwindung
20. Selbst-Erziehung
21. Besitz-Besessenheit
22. Verluste ertragen
23. Reichtum von innen
24. Freude als Kraftquell
25. Die Gegenwart nützen!
26. Glücksicherung
27. Meide die Masse
28. Freundschaft
29. Adel der Seele
30. Die Einstellung entscheidet
31. Gesinnung und Lebens-Richtung
32. Verhalten und Verhältnisse
33. Rechte Selbst-Richtung
34. Widerstände als Kräftewecker
35. Wille als Wandlungskraft
36. Selbst-Erkenntnis
37. Selbst- und Lebens-Vertrauen
38. Tugend als Lebens-Tauglichkeit
39. Gelassenheit
40. Selbst-Vervollkommnung
41. Vervollkommnung-Stufen
42. Rechte Lebens-Wertung
43. Weisheit des Lebens
44. Weisheiten vom Wege
45. Die Goldene Regel 1
46. Die Goldene Regel 2
47. Gemütsruhe
48. Rechte Sicht
49. Rechtes Verhalten
50. Rechte Selbst-Sicherung
51. Lebens-Zielsetzung
52. Macht der Gedanken
53. Alles ist innen
54. Der Geist in dir
55. Die innere Kraft
56. Zurückgezogenheit

57. Selbst-Einkehr


58. Seelenstillung
59. Verwesentlichung des Lebens
60. Kürze des Daseins
61. Zeit als Lebenshelfer
62. Mehr Ewigkeit-Bewusstsein
63. Von Tod und Verlust
64. Todes-Überlegenheit
65. Unvergänglichkeit
66. Auf dem Weg zur Vollendung
67. Leben ist ewig
68. Alles ist eins
69. Gott in uns

Wir schwimmen alle kämpfend und erleidend im Strome der Zeit und wirken durch unser Denken, Tun und Lassen mit am Lauf des Stroms. Wir können aber nur dann zum Segen für alle wirken und unseren Weg bestimmen, wenn wir von Zeit zu Zeit mitten im Strom innehalten, stillstehen, in uns selbst einkehren und von der Warte des Ewigen in uns Umschau halten, um unser selbst, unseres Weges und unseres Zieles bewusst zu bleiben. Darum fordert Seneca uns immer wieder auf:

»Ziehe dich so viel wie möglich in dich selbst zurück. Man muss für sich selbst und zur Betrachtung seiner selbst Zeit haben und zur Selbstbesinnung kommen, wenn man sein Leben meistern will. Wer so handelt, steht auch in der Zurückgezogenheit und Selbst-Einkehr keinen Augenblick außerhalb der Gemeinschaft, der er angehört. Er hat nur seinen engen Winkel verlassen und lebt in größeren Verhältnissen und Zusammenhängen. Er ist gerade dann am tätigsten und wirksamsten, wenn er in der Stille mit weit-schauendem Blick Irdisches und Himmlisches zugleich erfasst.«

Unser Leben ist nur darum arm an wirklichem Reichtum, weil wir zu sehr nach außen leben. So gehen wir mit geschlossenen Augen an den nicht gehobenen Schätzen unserer Seele vorbei. Bitter notwendig ist darum für die meisten die Mahnung Senecas und die gleichsinnige Schleiermachers: »Sorge nicht um das was kommen mag, und weine nicht um das was vergeht; aber sorge, dich nicht selbst zu verlieren, und weine, wenn du dahintreibst im Strome der Zeit, ohne den Himmel in dir zu tragen.«

Solange wir Vergänglichem nachjagen, bleiben wir dem Gesetz des Vergehens unterworfen. Wenden wir unseren Blick dem Ewigen in und über uns zu, wachsen wir über alle Beschränkungen hinaus. Ein Ruf zur Freiheit und zum Glücklichsein ist darum die Mahnung des Philosophen: Metanoeite! >Wendet euch um!< Schaut, statt immer nur nach außen, mehr nach innen. Denn je mehr ihr in der Stille und Meditation euch dem inneren Leben eint und die Kraftströme des Ewigen berührt, desto größer wird die Mannigfaltigkeit des Glücks, die euch aus den Niederungen des Daseins empor trägt zu den Höhen der Freiheit.

Je mehr ihr in innerer Abgeschiedenheit und Selbst-Einkehr euch dem Göttlichen weiht, bis ihr Wort in euch laut wird, desto mächtiger wird der Strom der Glückseligkeit, der eures Lebens Schiff sicher durch alle Fährnisse des Daseins lenkt. Dann werdet ihr erkennen: ein Gott wohnt in uns. Er wartet darauf, uns himmelwärts zu führen. Er wartet darauf uns glücklicher zu machen. Doch er hilft uns immer nur so weit, als wir ihm und uns selbst vertrauen und seiner weisen Führung folgen. Tun wir das, werden wir unmerklich Meister unserer selbst und unseres Schicksals.

««    »»

© (Versión Alemán) Karl O. Schmidt, Drei Eichen Verlag, Engelberg / Schweiz
(English traduction by Jörn Malek)