43. Weisheit des Lebens

Index

1. - Weisheit der Stoiker
2. - Seneca als Lebens-Lehrer
3. - Sklave oder Herr der Dinge
4. - Lehrmeister gelassenen Lebens
5. - Glückselig leben
6. - Seneca und Marc Aurel
7. - Leben lernen
8. - Wie man ein Lebens-Meister wird
9. - Philosophie als Lebens-Kunst
10. Schule des Lebens
11. Mächtiger als das Schicksal
12. Mehr Mut zu dir selbst!
13. Das Tun entscheidet
14. Charakterfestigkeit
15. Lebens-Bedürfnisse
16. Der Geist sei Führer
17. Krankheit und Selbst-Beherrschung
18. Furchtlosigkeit
19. Zorn-Überwindung
20. Selbst-Erziehung
21. Besitz-Besessenheit
22. Verluste ertragen
23. Reichtum von innen
24. Freude als Kraftquell
25. Die Gegenwart nützen!
26. Glücksicherung
27. Meide die Masse
28. Freundschaft
29. Adel der Seele
30. Die Einstellung entscheidet
31. Gesinnung und Lebens-Richtung
32. Verhalten und Verhältnisse
33. Rechte Selbst-Richtung
34. Widerstände als Kräftewecker
35. Wille als Wandlungskraft
36. Selbst-Erkenntnis
37. Selbst- und Lebens-Vertrauen
38. Tugend als Lebens-Tauglichkeit
39. Gelassenheit
40. Selbst-Vervollkommnung
41. Vervollkommnung-Stufen
42. Rechte Lebens-Wertung

43. Weisheit des Lebens


44. Weisheiten vom Wege
45. Die Goldene Regel 1
46. Die Goldene Regel 2
47. Gemütsruhe
48. Rechte Sicht
49. Rechtes Verhalten
50. Rechte Selbst-Sicherung
51. Lebens-Zielsetzung
52. Macht der Gedanken
53. Alles ist innen
54. Der Geist in dir
55. Die innere Kraft
56. Zurückgezogenheit
57. Selbst-Einkehr
58. Seelenstillung
59. Verwesentlichung des Lebens
60. Kürze des Daseins
61. Zeit als Lebenshelfer
62. Mehr Ewigkeit-Bewusstsein
63. Von Tod und Verlust
64. Todes-Überlegenheit
65. Unvergänglichkeit
66. Auf dem Weg zur Vollendung
67. Leben ist ewig
68. Alles ist eins
69. Gott in uns

Höher als Wissen ist Weisheit. Alles Wissen der Welt macht weder weise noch glücklich; mit der Zunahme der Weisheit aber wächst die Ruhe und Gelassenheit des Herzens und die Kraft, das Leben zu meistern, wie Seneca sagt: »Fachliches Wissen ist nützlich, wenn es der Schulung des Geistes dient, nicht aber, wenn es von höheren Aufgaben abhält. Im Grunde genommen gibt es nur eine Art wissenschaftlicher Betätigung, die eines denkenden Menschen würdig ist: das ist das Studium der Weisheit.

Du lehrst mich zum Beispiel, wie hohe und tiefe Töne Harmonie ergeben, wie Saiten von verschiedenen Tonhöhen zusammen klingen. Besser wäre es dafür zu sorgen, dass in meinem Inneren Harmonie herrscht und dass meine Gedanken und Entschlüsse, Worte und Taten harmonisch zusammen klingen.

Der Geometer lehrt mich, großen Landbesitz zu vermessen. Er sollte mich lieber lehren, wie ich erkenne, wann der Mensch genug hat.

Der Mathematiker lehrt mich den Gebrauch der Zahlen. Müsste er aber berechnen, was er an sich selbst hat, wäre er dazu kaum fähig. Du kannst den Kreisumfang oder die Entfernung der Sterne berechnen; aber wenn du ein Meister dieser Kunst bist, lege deinen Maßstab an den menschlichen Geist und sage mir, wie klein oder groß er ist...

Du weißt, was eine gerade Linie ist; aber was nützt es dir, wenn du nicht verstehst, im Leben eine gerade Linie einzuhalten? Das lehrt die Weisheit. Darum ist Weisheit mehr als Wissen: sie hilft uns, alle erreichbaren Erkenntnisse unserer geistigen Höherentwicklung dienstbar zu machen. Das bedeutet Unabhängigkeit von den Gesetzen, die alle Wesen binden, und den Grenzen, die ihnen gesteckt sind. Alle Zeitalter dienen dem Weisen: aus der Vergangenheit schöpft er neue Erkenntnisse und Kräfte, die Gegenwart nutze er voll und die Zukunft nimmt er vorweg. So macht er sein Leben lang, fruchtbringend und reich.

Ein Kennzeichen des Weisen ist, dass Beeinträchtigungen, die andere niederwerfen, ihm nichts anhaben können und dass niemand ihm wirklich schaden kann. Drängten sich auch Nöte der Welt um den Weisen zusammen, sie machen ihn nicht wanken. Und wenn ihn die Angriffe des Schicksals nicht aus der Bahn werfen, wie viel weniger die der Menschen, die doch, wie er weiß, nur Handlanger des Schicksals sind.«

Wer, wie der Weise, erkannt hat, dass selbst der Tod kein Übel ist und keine Beeinträchtigung seines Wesens, der wird alles, was geringer ist als der Tod, -- Verluste, Kinderlosigkeit, Trennung, Verbannung und Schmach --, gelassen ertragen.

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© (Versión Alemán) Karl O. Schmidt, Drei Eichen Verlag, Engelberg / Schweiz
(English traduction by Jörn Malek)