42. Rechte Lebens-Wertung

Index

1. - Weisheit der Stoiker
2. - Seneca als Lebens-Lehrer
3. - Sklave oder Herr der Dinge
4. - Lehrmeister gelassenen Lebens
5. - Glückselig leben
6. - Seneca und Marc Aurel
7. - Leben lernen
8. - Wie man ein Lebens-Meister wird
9. - Philosophie als Lebens-Kunst
10. Schule des Lebens
11. Mächtiger als das Schicksal
12. Mehr Mut zu dir selbst!
13. Das Tun entscheidet
14. Charakterfestigkeit
15. Lebens-Bedürfnisse
16. Der Geist sei Führer
17. Krankheit und Selbst-Beherrschung
18. Furchtlosigkeit
19. Zorn-Überwindung
20. Selbst-Erziehung
21. Besitz-Besessenheit
22. Verluste ertragen
23. Reichtum von innen
24. Freude als Kraftquell
25. Die Gegenwart nützen!
26. Glücksicherung
27. Meide die Masse
28. Freundschaft
29. Adel der Seele
30. Die Einstellung entscheidet
31. Gesinnung und Lebens-Richtung
32. Verhalten und Verhältnisse
33. Rechte Selbst-Richtung
34. Widerstände als Kräftewecker
35. Wille als Wandlungskraft
36. Selbst-Erkenntnis
37. Selbst- und Lebens-Vertrauen
38. Tugend als Lebens-Tauglichkeit
39. Gelassenheit
40. Selbst-Vervollkommnung
41. Vervollkommnung-Stufen

42. Rechte Lebens-Wertung


43. Weisheit des Lebens
44. Weisheiten vom Wege
45. Die Goldene Regel 1
46. Die Goldene Regel 2
47. Gemütsruhe
48. Rechte Sicht
49. Rechtes Verhalten
50. Rechte Selbst-Sicherung
51. Lebens-Zielsetzung
52. Macht der Gedanken
53. Alles ist innen
54. Der Geist in dir
55. Die innere Kraft
56. Zurückgezogenheit
57. Selbst-Einkehr
58. Seelenstillung
59. Verwesentlichung des Lebens
60. Kürze des Daseins
61. Zeit als Lebenshelfer
62. Mehr Ewigkeit-Bewusstsein
63. Von Tod und Verlust
64. Todes-Überlegenheit
65. Unvergänglichkeit
66. Auf dem Weg zur Vollendung
67. Leben ist ewig
68. Alles ist eins
69. Gott in uns

Ob einer in jeder Lage Besonnenheit und Zufriedenheit äußert, gegen seine Mitmenschen gerecht ist und aus allem, was ihn trifft, nach erfolgter Prüfung das Bestmögliche und Treffsicherste macht, ist eine Frage der Lebens-Wertung.

Es gilt, wie Seneca sagt, stets daran zu denken, »dass unser Leben gleich einem Kleinod nicht viel Raum einnimmt, wohl aber viel wiegt. Nach unserem Wirken wollen wir es messen, nicht nach der Zeit. Preisen wir darum den, der die Zeit, die ihm zuteil ward, gut angewandt hat. Denn er hat das wahre Leben erblickt; er war nicht einer von vielen, sondern ein Eigener: er hat gelebt und gewirkt.

Was fragst du, wie lange er gelebt hat? Er hat gelebt und ist, weil er recht gelebt hat, auf die Nachwelt übergegangen. Wie ein Mensch auch bei kleiner Statur vollständig und ein großer Mensch sein kann, so kann auch das Leben selbst bei kurzer Dauer ein vollständiges und vollendetes sein. Das Alter gehört zu den Außendingen. Wie lange ich da bin, unterliegt nicht meinem Willen; wie lange ich aber meines Lebens Gestalter und Herr bin, hängt von mir ab.

Du fragst, was der weiteste Raum für ein Leben sei? Bis zur Weisheit zu leben. Wer bis zu ihr gelangt, hat nicht das entfernteste, sondern das höchste Ziel erreicht.«

Der Weise, der sich, sein Leben und seine Umwelt recht wertet, fügt Marc Aurel hinzu, »richtet sich nicht nach den Meinungen, Maßstäben und Grundsätzen anderer, sondern blickt selbst vertrauend und urverwandt auf das hohe Ziel, zu dem sowohl sein eigenes Wesen ihn hindrängt als auch der Geist des Lebens ihn hinzieht und leitet durch alles, was ihm begegnet.

Er weiß zudem, dass die gleiche Weisheit-volle Führung, die den Ablauf seines Daseins lenkt, auch das gemeinsame Schicksal aller langsam aber sicher licht-wärt leitet, zumal alle Wesen zum Zusammenwirken gebildet sind. Wer sich, in Verkennung dieser Tatsache, gegen andere wendet, schadet zuerst sich selbst. Diese Einsicht wird dich um so mehr segnen, wenn du oft bejahst: >Ich bin ein lebendiges Glied in der Gesamtheit aller Geistwesen!< Wenn du so denkst, wirst du dein Leben in Seelenruhe und Zufriedenheit verbringen, und zwar auch gegen den Widerstand der Umwelt. Denn wie immer die Umwelt sich verhält, deine Seele kann des ungeachtet rein und besonnen, gerecht und gelassen bleiben. Sie gleicht einer klaren und starken Quelle, die nie aufhört, ihren Labe -trunk hervorzusprudeln. Vergiss nie, dass diese nie versiegende Quelle der Reinheit und Kraft du selbst bist: dein göttliches Selbst, der Genius in dir, und dass, wenn jemand Schmutz in diese Quelle wirft, sie diesen alsbald hinweggespült, ohne dadurch getrübt zu werden.«

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© (Versión Alemán) Karl O. Schmidt, Drei Eichen Verlag, Engelberg / Schweiz
(English traduction by Jörn Malek)