31. Gesinnung und Lebens-Richtung

Index

1. - Weisheit der Stoiker
2. - Seneca als Lebens-Lehrer
3. - Sklave oder Herr der Dinge
4. - Lehrmeister gelassenen Lebens
5. - Glückselig leben
6. - Seneca und Marc Aurel
7. - Leben lernen
8. - Wie man ein Lebens-Meister wird
9. - Philosophie als Lebens-Kunst
10. Schule des Lebens
11. Mächtiger als das Schicksal
12. Mehr Mut zu dir selbst!
13. Das Tun entscheidet
14. Charakterfestigkeit
15. Lebens-Bedürfnisse
16. Der Geist sei Führer
17. Krankheit und Selbst-Beherrschung
18. Furchtlosigkeit
19. Zorn-Überwindung
20. Selbst-Erziehung
21. Besitz-Besessenheit
22. Verluste ertragen
23. Reichtum von innen
24. Freude als Kraftquell
25. Die Gegenwart nützen!
26. Glücksicherung
27. Meide die Masse
28. Freundschaft
29. Adel der Seele
30. Die Einstellung entscheidet

31. Gesinnung und Lebens-Richtung


32. Verhalten und Verhältnisse
33. Rechte Selbst-Richtung
34. Widerstände als Kräftewecker
35. Wille als Wandlungskraft
36. Selbst-Erkenntnis
37. Selbst- und Lebens-Vertrauen
38. Tugend als Lebens-Tauglichkeit
39. Gelassenheit
40. Selbst-Vervollkommnung
41. Vervollkommnung-Stufen
42. Rechte Lebens-Wertung
43. Weisheit des Lebens
44. Weisheiten vom Wege
45. Die Goldene Regel 1
46. Die Goldene Regel 2
47. Gemütsruhe
48. Rechte Sicht
49. Rechtes Verhalten
50. Rechte Selbst-Sicherung
51. Lebens-Zielsetzung
52. Macht der Gedanken
53. Alles ist innen
54. Der Geist in dir
55. Die innere Kraft
56. Zurückgezogenheit
57. Selbst-Einkehr
58. Seelenstillung
59. Verwesentlichung des Lebens
60. Kürze des Daseins
61. Zeit als Lebenshelfer
62. Mehr Ewigkeit-Bewusstsein
63. Von Tod und Verlust
64. Todes-Überlegenheit
65. Unvergänglichkeit
66. Auf dem Weg zur Vollendung
67. Leben ist ewig
68. Alles ist eins
69. Gott in uns

Es ist eine alte Erfahrung, dass die der Einstellung zugrundelegende Gesinnung des Menschen den Verlauf seines Daseins bestimmt. Was versteht Seneca, der gleiches lehrt, unter >rechter Gesinnung?<

Eine Seele, die das Wahre erkennt, die weiß, was zu fliehen und was zu erstreben ist, die den Wert der Dinge nicht nach ihrem Schein, sondern nach ihrem wahren Wesen bestimmt, die in das Innere des Weltganzen eindringt und jedem Teile desselben ihre Betrachtung widmet, aufs Denken wie aufs Handeln gleich bedacht, vom Widrigen wie vom Angenehmen gleich unbesiegt, keinem Geschick sich beugend, allem überlegen, was ihr widerfährt, bei aller Kraft besonnen und nüchtern, unverzagt und durch nichts beunruhigt, durch keine Macht gebrochen, durch kein Ereignis gehoben oder niedergedrückt – das ist rechte Gesinnung – wenn sie sich ganz offenbart... Allein sie hat viele Formen, die sich je nach den Umständen und Handlungen entfalten, ohne dass sie selbst deshalb geringer oder größer wird.

Niemand kann das Einzelne ordnen oder meistern, es sei denn, er hat seinem Leben Zweck gegeben, seinem ganzen Denken und Tun ein letztes Ziel gesetzt. Niemand bringt ein Bild zustande, wenn er nicht zuvor mit sich einig ist, was er malen will. Deshalb scheitern so viele, weil sie nur über einzelne Abschnitte ihres Lebens meditieren, nicht über das ganze.

Wie wir oft Leute suchen, die neben uns stehen, so wissen wir meistens nicht, dass das höchste Gut, das wir suchen, als Zweck neben uns steht. Es bedarf keiner weitläufigen Untersuchung, was dieses höchste Gut sei: es ist das Sittlich-Gute, die rechte Gesinnung, die Tugend. Denn nicht die jeweiligen Umstände oder Verhältnisse machen die Dinge zu Gütern oder Übeln, sondern die Gesinnung, und wo rechte Gesinnung herrscht, hat alles gleiche Größe, wird alles zu einem Mittel zur Vollendung.«

Gleiche Erkenntnis leuchtet uns aus den Worten Marc Aurels entgegen:

»Nichts gewährt dem Menschen mehr Freude und Befriedigung, als wahrhaft menschlich zu handeln. Wahrhaft menschlich und recht gerichtet ist dein Wohlwollen gegen deinesgleichen, Verachtung der Sinnesreize, klare Unterscheidung der Vorstellungen, rechte Selbstbesinnung und Betrachtung der All -natur und ihrer Wirkungen und Vertrauen zur inneren Führung. – Wie eine Biene, die Honig bereitet, sei der Mensch, der Gutes tut: er posaunt es nicht hinaus und erwartet weder Lob noch Belohnung, sondern wendet sich dem nächsten guten Werke zu. Indem er so das, was im Augenblick zu tun ist, freudig wirkt und dabei dem Genius in ihm folgt, bewirkt er, dass es nichts gibt, was ihn hindern kann, ein recht ausgerichtetes und glückliches Leben zu führen.«

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© (Versión Alemán) Karl O. Schmidt, Drei Eichen Verlag, Engelberg / Schweiz
(English traduction by Jörn Malek)