27. Meide die Masse

Index

1. - Weisheit der Stoiker
2. - Seneca als Lebens-Lehrer
3. - Sklave oder Herr der Dinge
4. - Lehrmeister gelassenen Lebens
5. - Glückselig leben
6. - Seneca und Marc Aurel
7. - Leben lernen
8. - Wie man ein Lebens-Meister wird
9. - Philosophie als Lebens-Kunst
10. Schule des Lebens
11. Mächtiger als das Schicksal
12. Mehr Mut zu dir selbst!
13. Das Tun entscheidet
14. Charakterfestigkeit
15. Lebens-Bedürfnisse
16. Der Geist sei Führer
17. Krankheit und Selbst-Beherrschung
18. Furchtlosigkeit
19. Zorn-Überwindung
20. Selbst-Erziehung
21. Besitz-Besessenheit
22. Verluste ertragen
23. Reichtum von innen
24. Freude als Kraftquell
25. Die Gegenwart nützen!
26. Glücksicherung

27. Meide die Masse


28. Freundschaft
29. Adel der Seele
30. Die Einstellung entscheidet
31. Gesinnung und Lebens-Richtung
32. Verhalten und Verhältnisse
33. Rechte Selbst-Richtung
34. Widerstände als Kräftewecker
35. Wille als Wandlungskraft
36. Selbst-Erkenntnis
37. Selbst- und Lebens-Vertrauen
38. Tugend als Lebens-Tauglichkeit
39. Gelassenheit
40. Selbst-Vervollkommnung
41. Vervollkommnung-Stufen
42. Rechte Lebens-Wertung
43. Weisheit des Lebens
44. Weisheiten vom Wege
45. Die Goldene Regel 1
46. Die Goldene Regel 2
47. Gemütsruhe
48. Rechte Sicht
49. Rechtes Verhalten
50. Rechte Selbst-Sicherung
51. Lebens-Zielsetzung
52. Macht der Gedanken
53. Alles ist innen
54. Der Geist in dir
55. Die innere Kraft
56. Zurückgezogenheit
57. Selbst-Einkehr
58. Seelenstillung
59. Verwesentlichung des Lebens
60. Kürze des Daseins
61. Zeit als Lebenshelfer
62. Mehr Ewigkeit-Bewusstsein
63. Von Tod und Verlust
64. Todes-Überlegenheit
65. Unvergänglichkeit
66. Auf dem Weg zur Vollendung
67. Leben ist ewig
68. Alles ist eins
69. Gott in uns

»Der Mensch der Masse hat keine Tugend, nur das Individuum hat sie«, wie ein Weiser sagt. Darum kommt es auf den Einzelnen an. Und wenn dieser zu einem glücklichen Leben gelangen will, muss er Senecas Rat folgen und die Menge meiden:

»Halte dich fern vom Menschengewühl und suche deinen Halt in dir selber! Denn noch kannst du dich dem Sog der Masse nicht mit Sicherheit überlassen. Selten bringst du dieselbe sittliche Haltung und Festigkeit, mit der du ausgingst, nach Hause zurück; immer wird etwas von dem, was du geordnet, in Unordnung gebracht; manches von dem, was du verscheucht glaubtest, kehr wieder...

Nachteilig ist jeder Verkehr mit der Menge. Da ist keiner, der uns nicht irgendeinen Fehler empfiehlt oder unvermerkt anhängt. Je größer die Menge, in die wir uns mischen, desto größer die Gefahr. Ein einziges Beispiel der Schwelgerei oder der Habsucht stiftet viel Unheil; ein weichlicher Lebensgefährte entnervt und verweichlicht uns allmählich mit; ein reicher Nachbar regt unsere Begierden auf. Darum ziehe dich in dich selbst zurück, soviel du kannst, und verkehre nur mit denen, die dich besser zu machen geeignet sind.

Demokrit sagt: >Einer gilt mir für das Volk und das Volk für einen.< Vortrefflich ist auch der Satz, den Epikur einem Genossen seiner wissenschaftlichen Beschäftigungen schrieb: >Dies schreibe ich nicht für viele, sondern für dich; denn wir sind einer dem anderen ein hinreichendes Publikum.< Dies musst du in deiner Seele verankern, um das aus dem Beifall der Menge entspringende Vergnügen zu verachten. Viele loben dich; aber welchen Grund zum Zufrieden sein hast du, wenn du ein solcher bist, den die Menge versteht! Nach innen sollen deine Vorzüge schauen.

Es ist gut, mit Unähnlichen, Andersdenkenden, andere Ziele Verfolgenden nicht unnötig zu verkehren. Wenn sie dich auch nicht ablenken, können sie dich doch hindern. Viel aber schadet schon, wer uns aufhält, zumal bei der Kürze des Lebens. Eile also und bedenke, wie sehr du deine Schritte beschleunigen würdest, wenn dich ein Feind vom Rücken her bedrängte. Dies geschieht wirklich: man setzt dir nach. Darum bringe dich in Sicherheit und suche lieber eine Freundschaft als tausend Verbindungen.

Die wenigsten gehören sich selbst an. Ich aber wünsche dir den Besitz deiner selbst, damit dein von unsteten Gedanken getriebener Geist festen Fuß fasst und sicher steht, an sich selbst Gefallen findet und nach Erkenntnis der wahren Güter -- die man besitzt, sobald man sie erkannt hat -- eines Zuwachses an Jahren nicht mehr bedarf. Der ist über alle Notwendigkeit hinaus und frei, der den Sinn seines Daseins erkannte.«

««    »»

© (Versión Alemán) Karl O. Schmidt, Drei Eichen Verlag, Engelberg / Schweiz
(English traduction by Jörn Malek)