24. Freude als Kraftquell

Index

1. - Weisheit der Stoiker
2. - Seneca als Lebens-Lehrer
3. - Sklave oder Herr der Dinge
4. - Lehrmeister gelassenen Lebens
5. - Glückselig leben
6. - Seneca und Marc Aurel
7. - Leben lernen
8. - Wie man ein Lebens-Meister wird
9. - Philosophie als Lebens-Kunst
10. Schule des Lebens
11. Mächtiger als das Schicksal
12. Mehr Mut zu dir selbst!
13. Das Tun entscheidet
14. Charakterfestigkeit
15. Lebens-Bedürfnisse
16. Der Geist sei Führer
17. Krankheit und Selbst-Beherrschung
18. Furchtlosigkeit
19. Zorn-Überwindung
20. Selbst-Erziehung
21. Besitz-Besessenheit
22. Verluste ertragen
23. Reichtum von innen

24. Freude als Kraftquell


25. Die Gegenwart nützen!
26. Glücksicherung
27. Meide die Masse
28. Freundschaft
29. Adel der Seele
30. Die Einstellung entscheidet
31. Gesinnung und Lebens-Richtung
32. Verhalten und Verhältnisse
33. Rechte Selbst-Richtung
34. Widerstände als Kräftewecker
35. Wille als Wandlungskraft
36. Selbst-Erkenntnis
37. Selbst- und Lebens-Vertrauen
38. Tugend als Lebens-Tauglichkeit
39. Gelassenheit
40. Selbst-Vervollkommnung
41. Vervollkommnung-Stufen
42. Rechte Lebens-Wertung
43. Weisheit des Lebens
44. Weisheiten vom Wege
45. Die Goldene Regel 1
46. Die Goldene Regel 2
47. Gemütsruhe
48. Rechte Sicht
49. Rechtes Verhalten
50. Rechte Selbst-Sicherung
51. Lebens-Zielsetzung
52. Macht der Gedanken
53. Alles ist innen
54. Der Geist in dir
55. Die innere Kraft
56. Zurückgezogenheit
57. Selbst-Einkehr
58. Seelenstillung
59. Verwesentlichung des Lebens
60. Kürze des Daseins
61. Zeit als Lebenshelfer
62. Mehr Ewigkeit-Bewusstsein
63. Von Tod und Verlust
64. Todes-Überlegenheit
65. Unvergänglichkeit
66. Auf dem Weg zur Vollendung
67. Leben ist ewig
68. Alles ist eins
69. Gott in uns

Die meisten Menschen benutzen ihre Klugheit nicht dazu, nach dem Guten und nach der Freude zu streben, sondern nach Lust und Sinnes -befriedigung, die das Leben nicht reicher, sondern unerfreulicher gestaltet, wie Seneca klarstellt:

»Grundlage und Höhepunkt rechter Geisteshaltung ist es, sich nicht an gehaltlosen Dingen zu erfreuen, sondern zu wissen, worüber sich zu freuen Sinn und Wert hat. Lebensweisheit erzieht zu wahrer Freude.

Glaubst du ich entziehe dir Genüsse, wenn ich das Zufällige entferne und falsche Hoffnungen gemieden wissen will? Im Gegenteil: ich will, dass es dir nie an Freude fehle; ich möchte, dass sie dir in deinem Hause erwachse; und sie tut es, wenn sie in dir selbst wohnt. Die übrigen Erheiterungen füllen das Herz nicht; sie glätten nur die Stirn und sind flüchtig.

Wahre Freude ist eine ernste Sache. Wertlose Metalle finden sich an der Oberfläche; das sind die köstlichsten, deren Adern die Tiefe birgt; sie werden den Wünschen des beharrlich Grabenden immer vollkommener entsprechen. Woran sich die Masse ergötzt, gewährt nur geringes und oberflächliches Vergnügen. Jeder von außen zugeführten Freude fehlt die Dauer; jene aber, von der ich spreche und zu der ich dir verhelfen möchte, kommt von innen, ist fest gegründet und beständig.

Tue, was allein dich froh und glücklich macht: wirf weg, was von außen glänzt und dir von anderen versprochen wird. Trachte nach dem wahren Gut und erfreue dich deiner selbst und des besseren Teils deines Selbst. Auch den Körper halte, wenngleich nichts ohne ihn geschehen kann, mehr für eine notwendige als wichtige Sache. Er gewährt nur kurze, Reue bringende und, wenn nicht mit Mäßigkeit geregelt, ins Gegenteil ausschlagende Genüsse.

Freude bedeutet, dass man innerlich stets voll frohen Mutes zum Handeln und voll gelassenem Selbstvertrauen gegenüber Widrigkeiten ist. Sie erwächst aus dem guten Gewissen, aus edlen Entschlüssen, aus rechtem Denken und Tun, aus der Verachtung der Zufälle, aus dem gleichmäßig-ruhigen Ablauf des Lebens, dem ein hohes Ziel gesetzt ist.

Beim Weisen ist Freude die bleibende Grundstimmung seines Wesens. Er ist in jeder Lage ruhig, gelassen und zuversichtlich. Er bedarf, weil er an nichts Äußerem hängt, weder der Menschen noch des Schicksals Gunst. Weil echte Freudigkeit in der Seele entsteht und dort beschlossen bleibt, geht dem Weisen äußeres Ungemach nicht unter die Haut.«

Wer darüber hinaus je die Freude empfand, Böses mit Gutem zu vergelten, der wird jede Gelegenheit wahrnehmen, Freude zu bereiten und so sein eigenes Freudenvermögen zu erhöhen, aus der Gegenwart das Bestmögliche zu machen und damit zugleich seine Zukunft zu durch-lichten.

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© (Versión Alemán) Karl O. Schmidt, Drei Eichen Verlag, Engelberg / Schweiz
(English traduction by Jörn Malek)