18. Furchtlosigkeit

Index

1. - Weisheit der Stoiker
2. - Seneca als Lebens-Lehrer
3. - Sklave oder Herr der Dinge
4. - Lehrmeister gelassenen Lebens
5. - Glückselig leben
6. - Seneca und Marc Aurel
7. - Leben lernen
8. - Wie man ein Lebens-Meister wird
9. - Philosophie als Lebens-Kunst
10. Schule des Lebens
11. Mächtiger als das Schicksal
12. Mehr Mut zu dir selbst!
13. Das Tun entscheidet
14. Charakterfestigkeit
15. Lebens-Bedürfnisse
16. Der Geist sei Führer
17. Krankheit und Selbst-Beherrschung

18. Furchtlosigkeit


19. Zorn-Überwindung
20. Selbst-Erziehung
21. Besitz-Besessenheit
22. Verluste ertragen
23. Reichtum von innen
24. Freude als Kraftquell
25. Die Gegenwart nützen!
26. Glücksicherung
27. Meide die Masse
28. Freundschaft
29. Adel der Seele
30. Die Einstellung entscheidet
31. Gesinnung und Lebens-Richtung
32. Verhalten und Verhältnisse
33. Rechte Selbst-Richtung
34. Widerstände als Kräftewecker
35. Wille als Wandlungskraft
36. Selbst-Erkenntnis
37. Selbst- und Lebens-Vertrauen
38. Tugend als Lebens-Tauglichkeit
39. Gelassenheit
40. Selbst-Vervollkommnung
41. Vervollkommnung-Stufen
42. Rechte Lebens-Wertung
43. Weisheit des Lebens
44. Weisheiten vom Wege
45. Die Goldene Regel 1
46. Die Goldene Regel 2
47. Gemütsruhe
48. Rechte Sicht
49. Rechtes Verhalten
50. Rechte Selbst-Sicherung
51. Lebens-Zielsetzung
52. Macht der Gedanken
53. Alles ist innen
54. Der Geist in dir
55. Die innere Kraft
56. Zurückgezogenheit
57. Selbst-Einkehr
58. Seelenstillung
59. Verwesentlichung des Lebens
60. Kürze des Daseins
61. Zeit als Lebenshelfer
62. Mehr Ewigkeit-Bewusstsein
63. Von Tod und Verlust
64. Todes-Überlegenheit
65. Unvergänglichkeit
66. Auf dem Weg zur Vollendung
67. Leben ist ewig
68. Alles ist eins
69. Gott in uns

Östliche Weisheit nennt »Furcht ist nichts als das, was die Menschen für Fürchtens-wert halten, wie Sicherheit dort ist, wo man gesichert sich glaubt.« Gleiches lehrte Epiket: »Schlimm ist es, in Bedrängnis zu leben; doch so zu leben drängt uns nichts.« Und Seneca sagt, warum das so ist:

»Weil überall Wege ins Freie führen. Danken wir Gott, dass der Furchtlose durch nichts Widriges festgehalten werden kann, weil er allein zu widerstehen vermag. Er weiß, dass die Dinge, die uns schrecken, zahlreicher sind als die, die uns drücken, und dass wir zumeist mehr an der Einbildung als an der Wirklichkeit leiden. Darum rät er uns, nie vor der Zeit unglücklich zu sein; denn was uns ängstigt wird vielleicht nie kommen oder ist noch nicht gekommen. Einiges also quält uns mehr, anderes eher, als nötig ist, wider anderes, was uns überhaupt nicht zu quälen brauchte. Wir vergrößern entweder unseren Schmerz oder nehmen ihn unnötig vorweg.

Obwohl der Grund der Furcht im Mangel an Kenntnis liegt, halten es doch die meisten für nicht der Mühe wert, Kenntnis zu gewinnen, um die Furcht zu verlieren. So kommt es dann, dass sie von Zukünftigem wie Gegenwärtigem gequält werden.

Üeber das Gegenwärtige ist das Urteil leicht: Ist unser Körper frei und gesund und wird ihm durch keine Verletzung Schmerz bereitet, so sehen wir gelassen zu, was da kommt; für heute hat es nichts auf sich.

>Aber es wird kommen!< meinst du? Dann sieh zu, ob sichere Zeichen für sein Kommen da sind; denn meist quälen uns Vermutungen oder Meinungen. Gar zu leicht geben wir dem Wahn nach, prüfen nicht, was uns in Furcht setzt, sondern zittern und wenden den Rücken.

Ist es wahrscheinlich, dass ein Übel eintreten wird, so ist es darum noch lange nicht wahr. Wie vieles kam unerwartet, wie viel Erwartetes blieb aus. Und was nützt es, seinem Schmerz entgegenzulaufen? Es ist Zeit genug dazu, wenn er da ist; indes richte den Blick auf Besseres! Dadurch gewinnst du Zeit. In ihr mag vieles dazwischentreten, was die kommende Gefahr zum Stillstand bringt oder beseitigt. Bejahe darum das Bessere!

Nur zu oft schafft die Seele sich falsche Bilder, sie denkt falsch oder fasst sie ein Wort von zweifelhafter Bedeutung in zu schlimmem Sinne auf oder stellt sich den Groll eines Anderen größer vor, als er ist. Das Leben wird aber sinnlos und das Elend maßlos, wenn man alles fürchtet, was man nur immer fürchten kann. Hier muss die Klugheit helfen: weise durch Geistesstärke selbst die Furcht vor dem Augenscheinlichen zurück oder vertreibe eine Schwäche durch eine andere und dämpfe die Furcht durch die Hoffnung. Glaube, was dir lieber ist, und bejahe deine Furchtlosigkeit, bis dein Mut größer ist als alles, was von außen an dich herantritt.«

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© Karl O. Schmidt, Drei Eichen Verlag, Engelberg / Schweiz