17. Krankheit und Selbst-Beherrschung

Index

1. - Weisheit der Stoiker
2. - Seneca als Lebens-Lehrer
3. - Sklave oder Herr der Dinge
4. - Lehrmeister gelassenen Lebens
5. - Glückselig leben
6. - Seneca und Marc Aurel
7. - Leben lernen
8. - Wie man ein Lebens-Meister wird
9. - Philosophie als Lebens-Kunst
10. Schule des Lebens
11. Mächtiger als das Schicksal
12. Mehr Mut zu dir selbst!
13. Das Tun entscheidet
14. Charakterfestigkeit
15. Lebens-Bedürfnisse
16. Der Geist sei Führer

17. Krankheit und Selbst-Beherrschung


18. Furchtlosigkeit
19. Zorn-Überwindung
20. Selbst-Erziehung
21. Besitz-Besessenheit
22. Verluste ertragen
23. Reichtum von innen
24. Freude als Kraftquell
25. Die Gegenwart nützen!
26. Glücksicherung
27. Meide die Masse
28. Freundschaft
29. Adel der Seele
30. Die Einstellung entscheidet
31. Gesinnung und Lebens-Richtung
32. Verhalten und Verhältnisse
33. Rechte Selbst-Richtung
34. Widerstände als Kräftewecker
35. Wille als Wandlungskraft
36. Selbst-Erkenntnis
37. Selbst- und Lebens-Vertrauen
38. Tugend als Lebens-Tauglichkeit
39. Gelassenheit
40. Selbst-Vervollkommnung
41. Vervollkommnung-Stufen
42. Rechte Lebens-Wertung
43. Weisheit des Lebens
44. Weisheiten vom Wege
45. Die Goldene Regel 1
46. Die Goldene Regel 2
47. Gemütsruhe
48. Rechte Sicht
49. Rechtes Verhalten
50. Rechte Selbst-Sicherung
51. Lebens-Zielsetzung
52. Macht der Gedanken
53. Alles ist innen
54. Der Geist in dir
55. Die innere Kraft
56. Zurückgezogenheit
57. Selbst-Einkehr
58. Seelenstillung
59. Verwesentlichung des Lebens
60. Kürze des Daseins
61. Zeit als Lebenshelfer
62. Mehr Ewigkeit-Bewusstsein
63. Von Tod und Verlust
64. Todes-Überlegenheit
65. Unvergänglichkeit
66. Auf dem Weg zur Vollendung
67. Leben ist ewig
68. Alles ist eins
69. Gott in uns

Die Krankheiten, die uns befallen sind nicht unüberwindlich, sagt Seneca. »Uns hilft die Natur, wenn wir die Heilung nur wollen. Zudem lässt sich jede Krankheit, jeder Schmerz geduldig ertragen und überwinden, wenn man das Äußerste, was sie drohen, verachtet.

Mache dir darum dein Leiden nicht selbst noch schwerer und belaste dich nicht mit Klagen! Leicht ist der Schmerz wenn die Einbildung ihn nicht vergrößert; wenn du anfängst dich zu ermuntern und zu bejahen: >Es ist nichts!< oder wenigstens: >Es ist unbedeutend< oder >Es geht vorüber<, wird er sogleich aufhören. Du machst ihn leicht, wenn du ihn dafür hältst.

Alles hängt von der Einstellung ab. Auch Schmerzen leiden wir gemäß unserer Einbildung. Jeder ist in dem Masse elend, als er es zu sein glaubt. Darum gilt es, alles Klagen schon über gehabte Schmerzen zu unterlassen und zu sagen: >Welche Qualen habe ich durchgemacht? Nie ging es mir schlechter. Ich glaube nicht, dass ich wieder aufkommen würde.< Selbst wenn es wahr wäre: es ist vorüber. Und es schadet nur, vergangene Schmerzen durch Daran denken wieder aufzufrischen und noch elend zu sein, weil man es gewesen ist.

Zwei Dinge also sind zu verbannen: die Furcht vor zukünftigen und das Andenken an vergangenes Ungemach. Denn jenes berührt mich noch nicht, dieses ist nicht mehr. Und unter der Widerwärtigkeit selbst tröste man sich: künftig ist es vielleicht Freude, der jetzigen Leiden zu gedenken. Wie schnell sind sie vorbei. Man gehe dagegen an; denn man wird besiegt, wenn man weicht; man siegt, wenn man gegen den Schmerz angeht.

Heute handeln viele so, dass sie den Einsturz, dem sie wehren wollen, durch furchtsames Denken selbst herbeiziehen. Wie der Feind für Fliehende verderblich ist, so dringt jedes Ungemach auf den Nachgebenden heftiger ein.

Das sei so schwer? Willst du lieber, dass ein Leiden langwierig, oder dass es heftig und kurz sei? Ist es langwierig, lässt es der Erholung Raum und muss notwendig abnehmen. Eine kurze jähe Krankheit aber tut eines von beidem: sie erlischt oder sie macht erlöschen. Was nun liegt daran, ob sie nicht mehr ist oder ich? In beidem liegt das Ende des Schmerzes.

Was liegt daran, wie schnell du eine Stätte verlässt, die du doch einmal verlassen musst? Richte deine Sorge nicht darauf, lange zu leben, sondern darauf, dass du recht und genug gelebt hast und aus deinem Dasein etwas machtest! Um lange zu leben, bedarf es der Hilfe des Schicksals; um recht und genug zu leben, der rechten geistigen Haltung. Diese aber liegt allein in deiner Hand.«

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© Karl O. Schmidt, Drei Eichen Verlag, Engelberg / Schweiz (ng)