14. Charakterfestigkeit

Index

1. - Weisheit der Stoiker
2. - Seneca als Lebens-Lehrer
3. - Sklave oder Herr der Dinge
4. - Lehrmeister gelassenen Lebens
5. - Glückselig leben
6. - Seneca und Marc Aurel
7. - Leben lernen
8. - Wie man ein Lebens-Meister wird
9. - Philosophie als Lebens-Kunst
10. Schule des Lebens
11. Mächtiger als das Schicksal
12. Mehr Mut zu dir selbst!
13. Das Tun entscheidet

14. Charakterfestigkeit


15. Lebens-Bedürfnisse
16. Der Geist sei Führer
17. Krankheit und Selbst-Beherrschung
18. Furchtlosigkeit
19. Zorn-Überwindung
20. Selbst-Erziehung
21. Besitz-Besessenheit
22. Verluste ertragen
23. Reichtum von innen
24. Freude als Kraftquell
25. Die Gegenwart nützen!
26. Glücksicherung
27. Meide die Masse
28. Freundschaft
29. Adel der Seele
30. Die Einstellung entscheidet
31. Gesinnung und Lebens-Richtung
32. Verhalten und Verhältnisse
33. Rechte Selbst-Richtung
34. Widerstände als Kräftewecker
35. Wille als Wandlungskraft
36. Selbst-Erkenntnis
37. Selbst- und Lebens-Vertrauen
38. Tugend als Lebens-Tauglichkeit
39. Gelassenheit
40. Selbst-Vervollkommnung
41. Vervollkommnung-Stufen
42. Rechte Lebens-Wertung
43. Weisheit des Lebens
44. Weisheiten vom Wege
45. Die Goldene Regel 1
46. Die Goldene Regel 2
47. Gemütsruhe
48. Rechte Sicht
49. Rechtes Verhalten
50. Rechte Selbst-Sicherung
51. Lebens-Zielsetzung
52. Macht der Gedanken
53. Alles ist innen
54. Der Geist in dir
55. Die innere Kraft
56. Zurückgezogenheit
57. Selbst-Einkehr
58. Seelenstillung
59. Verwesentlichung des Lebens
60. Kürze des Daseins
61. Zeit als Lebenshelfer
62. Mehr Ewigkeit-Bewusstsein
63. Von Tod und Verlust
64. Todes-Überlegenheit
65. Unvergänglichkeit
66. Auf dem Weg zur Vollendung
67. Leben ist ewig
68. Alles ist eins
69. Gott in uns

Seit Heraklit weiß man, dass der Charakter eines Menschen der Quellgrund seines Schicksals ist, das jeder durch seine Wesensart, seine Denk- und Tatrichtung sein Glück oder Unglück gestaltet.

Den Grad der Festigkeit eines Charakters erkennt man nach Seneca schon aus den kleinsten Handlungen. »Ein Charakter geht, wenn auch nicht immer im gleichen Schritt, so doch stets auf dem gleichen Weg. Er ergreift ein für allemal eine Richtschnur, nach der er lebt, und ordnet nach dieser sein Denken und Handeln.

Mancher schränkt sich daheim ein und macht sich draußen breit. Diese Ungleichheit ist ein Zeichen eines schwankenden Charakters, dem es am festen inneren Halt fehlt. Woher diese Unbeständigkeit? Aus folgendem: selten bestimmst sich einer im voraus selbst im Blick auf das, was er will. Und wenn er sich zu etwas entschlossen hat, verharrt er nicht dabei, sondern springt bei der nächsten Gelegenheit zu etwas anderem über oder fällt er in das zurück, was er bereits als falsch erkannt und aufgegeben hatte...

...Was ist demgegenüber Weisheit und Charakterfestigkeit? Immer dasselbe wollen und nicht wollen. Du brauchst dabei nicht die Einschränkung beizufügen, dass das recht sein müsse, was du willst; denn keinem kann etwas dauernd gefallen, was nicht eben das Rechte ist.

Die meisten wissen nicht, was sie wollen, außer in dem Augenblick, wo sie wollen; für sein ganzes Leben hat sich selten einer über sein Wollen und Nichtwollen entschieden. Täglich wechselt er Urteil und Wegrichtung, und so bleibt das Leben der meisten ein zielloses Hin und Her.

Anders der Weise: er hält fest, womit er begonnen hat, setzt sich Lebensziele und wirkt tagein und jahraus beharrlich auf sie hin. Er gelangt so zum Höchst erreichbaren oder doch zu dem, wovon er allein erkennt, dass es noch nicht las Letzte und Höchste ist.

Wenn du so lebst, wirst du weniger Unruhe haben und mehr Gelassenheit gewinnen. Zugleich geht dir auf, wie sehr ein glückliches Leben die Frucht der Weisheit wie der Charakterfestigkeit ist. Diese Erkenntnis gilt es durch zielbewusstes Denken und Handeln zu vertiefen. Es gehört nämlich mehr Energie dazu, an guten Vorsätzen festzuhalten, als edle Entschlüsse zu fassen.

Du musst daher Ausdauer und Beharrlichkeit gewinnen und deinen Entschlüssen durch unentwegte Bemühung Kraft geben, bis schließlich guter Charakter geworden ist, was jetzt noch guter Wille ist.«

Im gleichen Masse wächst dein Vermögen, zwischen wirklichen und scheinbaren Lebens-Bedürfnissen zu unterscheiden.

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© Karl O. Schmidt, Drei Eichen Verlag, Engelberg / Schweiz