13. Das Tun entscheidet

Index

1. - Weisheit der Stoiker
2. - Seneca als Lebens-Lehrer
3. - Sklave oder Herr der Dinge
4. - Lehrmeister gelassenen Lebens
5. - Glückselig leben
6. - Seneca und Marc Aurel
7. - Leben lernen
8. - Wie man ein Lebens-Meister wird
9. - Philosophie als Lebens-Kunst
10. Schule des Lebens
11. Mächtiger als das Schicksal
12. Mehr Mut zu dir selbst!

13. Das Tun entscheidet


14. Charakterfestigkeit
15. Lebens-Bedürfnisse
16. Der Geist sei Führer
17. Krankheit und Selbst-Beherrschung
18. Furchtlosigkeit
19. Zorn-Überwindung
20. Selbst-Erziehung
21. Besitz-Besessenheit
22. Verluste ertragen
23. Reichtum von innen
24. Freude als Kraftquell
25. Die Gegenwart nützen!
26. Glücksicherung
27. Meide die Masse
28. Freundschaft
29. Adel der Seele
30. Die Einstellung entscheidet
31. Gesinnung und Lebens-Richtung
32. Verhalten und Verhältnisse
33. Rechte Selbst-Richtung
34. Widerstände als Kräftewecker
35. Wille als Wandlungskraft
36. Selbst-Erkenntnis
37. Selbst- und Lebens-Vertrauen
38. Tugend als Lebens-Tauglichkeit
39. Gelassenheit
40. Selbst-Vervollkommnung
41. Vervollkommnung-Stufen
42. Rechte Lebens-Wertung
43. Weisheit des Lebens
44. Weisheiten vom Wege
45. Die Goldene Regel 1
46. Die Goldene Regel 2
47. Gemütsruhe
48. Rechte Sicht
49. Rechtes Verhalten
50. Rechte Selbst-Sicherung
51. Lebens-Zielsetzung
52. Macht der Gedanken
53. Alles ist innen
54. Der Geist in dir
55. Die innere Kraft
56. Zurückgezogenheit
57. Selbst-Einkehr
58. Seelenstillung
59. Verwesentlichung des Lebens
60. Kürze des Daseins
61. Zeit als Lebenshelfer
62. Mehr Ewigkeit-Bewusstsein
63. Von Tod und Verlust
64. Todes-Überlegenheit
65. Unvergänglichkeit
66. Auf dem Weg zur Vollendung
67. Leben ist ewig
68. Alles ist eins
69. Gott in uns

Jedes Leben ist wert, gelebt zu werden; aber es muss recht gelebt werden. Richtig gelebt wird es, wenn man Seneca folgt und »die Weisheitslehren so in sich aufnimmt, dass die Einsichten, Ideale und Worte Taten werden. Denn das Schlimmste, was ein Philosoph tun kann, ist, das er anderes lebt, als er nach seiner Lehre leben sollte, und nicht durch sein Tun bestätigt, was er mit Worten verkündet.

Wenn du dich stark fühlst und für würdig hältst, ein Eigener zu sein, dann beweise das, was du als recht betrachtest und aussprichst, durch die Festigkeit deines Willens, durch die Minderung deiner Begierden und durch die Realisierung deines Wollens durch dein Handeln. Das ist die große Aufgabe in der Schule des Lebens und das Kennzeichen der Reife, dass die Taten mit den Worten in Einklang stehen und der Weise sich selbst überall gleich ist.

Man soll das Leben an den Taten messen, nicht nach der Zahl der Jahre. Bedenke den Unterschied zwischen einem geistig beweglichen Menschen, der in einer kurzen Lebensspanne alle Aufgeben des Daseins meisterte, an einem anderen, an dem viele Jahre vorübergezogen sind. Der eine lebt noch nach seinem Tode, der andere ist schon vor seinem Tode gestorben.«

Der eine ging den eigenen Weg, der andere den der meisten, die sich ständig bereiten, demnächst zu leben, und damit am Glück vorbeileben, das sich nur im Jetzt ergreifen lässt – durch rechtes Tun. Darum ist der Blick des Weisen auf die Gegenwart gerichtet, und da er richtig handelnd aus ihr das Bestmögliche macht, erweist sie sich ihm gegenüber freundlich und hilfsbereit, so dass er in kurzer Zeit das Mehrfache von dem lernt und gewinnt, was andere kaum in Jahren erreichen.

Bei alledem folgt er dem Rat des Philosophen, stets das Ende zu bedenken, das ein Lebenswerk krönt oder verwirft. Indem er beständig so denkt und handelt, wie er, das Leben verlassend, wünschen würde, gehandelt zu haben, lebt er richtig.

Indem er sich bei allem, was er vorhat, prüft, ob es notwendig und gut sei, meidet er unnütze Gedanken und schädliche Handlungen. Er dämpft Begierden, hemmt die Leidenschaften, folgt dem Genius in ihm und bewirkt so, dass auch das Widrige Gegenstand positiven Wirkens und Teil der eigenen Schicksalsnotwendigkeit wird und so der Mehrung seiner Glücksfähigkeit und der Erreichung seines Lebensziels dient.

»Ihn, der die ihm beschiedene Lebensspanne recht angewandt hat, wollen wir preisen und glücklich nennen. Denn er war nicht leidender Teil der Masse, sondern ein Eigener. Er hat den Schritt vom Dasein zum Selbstsein getan, sich zum Charakter entwickelt und sich damit ein bleibendes Denkmal gesetzt.«

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© (Versión Alemán) Karl O. Schmidt, Drei Eichen Verlag, Engelberg / Schweiz
(English traduction by Jörn Malek)