11. Mächtiger als das Schicksal

Index

1. - Weisheit der Stoiker
2. - Seneca als Lebens-Lehrer
3. - Sklave oder Herr der Dinge
4. - Lehrmeister gelassenen Lebens
5. - Glückselig leben
6. - Seneca und Marc Aurel
7. - Leben lernen
8. - Wie man ein Lebens-Meister wird
9. - Philosophie als Lebens-Kunst
10. Schule des Lebens

11. Mächtiger als das Schicksal


12. Mehr Mut zu dir selbst!
13. Das Tun entscheidet
14. Charakterfestigkeit
15. Lebens-Bedürfnisse
16. Der Geist sei Führer
17. Krankheit und Selbst-Beherrschung
18. Furchtlosigkeit
19. Zorn-Überwindung
20. Selbst-Erziehung
21. Besitz-Besessenheit
22. Verluste ertragen
23. Reichtum von innen
24. Freude als Kraftquell
25. Die Gegenwart nützen!
26. Glücksicherung
27. Meide die Masse
28. Freundschaft
29. Adel der Seele
30. Die Einstellung entscheidet
31. Gesinnung und Lebens-Richtung
32. Verhalten und Verhältnisse
33. Rechte Selbst-Richtung
34. Widerstände als Kräftewecker
35. Wille als Wandlungskraft
36. Selbst-Erkenntnis
37. Selbst- und Lebens-Vertrauen
38. Tugend als Lebens-Tauglichkeit
39. Gelassenheit
40. Selbst-Vervollkommnung
41. Vervollkommnung-Stufen
42. Rechte Lebens-Wertung
43. Weisheit des Lebens
44. Weisheiten vom Wege
45. Die Goldene Regel 1
46. Die Goldene Regel 2
47. Gemütsruhe
48. Rechte Sicht
49. Rechtes Verhalten
50. Rechte Selbst-Sicherung
51. Lebens-Zielsetzung
52. Macht der Gedanken
53. Alles ist innen
54. Der Geist in dir
55. Die innere Kraft
56. Zurückgezogenheit
57. Selbst-Einkehr
58. Seelenstillung
59. Verwesentlichung des Lebens
60. Kürze des Daseins
61. Zeit als Lebenshelfer
62. Mehr Ewigkeit-Bewusstsein
63. Von Tod und Verlust
64. Todes-Überlegenheit
65. Unvergänglichkeit
66. Auf dem Weg zur Vollendung
67. Leben ist ewig
68. Alles ist eins
69. Gott in uns

Ein schicksals- überlegener Meister seiner selbst und seines Lebens kann jeder werden, der seinem inneren Genius folgt. Jeder trägt die Glücksmöglichkeiten des Daseins in sich; er muss sie nur erkennen und zur Entfaltung bringen.

Wie groß diese Möglichkeiten sind, verrät unsere Sehnsucht. Wer noch Sehnsucht nach Besserem fühlt, birgt Keime künftiger Meisterschaft in sich. Aber Sehnsucht allein trägt nicht ans Ziel; sie ist nur Wegweiser. Gehen musst du den Weg selbst. Er führt mit Sicherheit zu wachsender Überlegenheit gegenüber allen äußeren Dingen und Umständen:

»Auf Zerbrechliches stützt sich, wer an Dingen hängt, die von außen kommen. Denn alles, was an Freuden von dort kommt, zieht auch wieder hinaus. Was aber aus uns selbst entsprungen ist, ist treu und fest, nimmt zu und begleitet uns bis ans Ende. Das übrige, was der großen Masse Bewunderung entlockt, ist nur fruchtbringend, wenn der, der es besitzt, zugleich sich selbst in Besitz hat und nicht der Sklave seiner Habseligkeiten ist.

Es irrt, wer wähnt, dass das Schicksal uns irgendein Gut oder Übel zuteile. Es gibt nur den Stoff dazu, nur den Keim von Dingen, die bei uns – und durch uns – zu einem Gut oder Übel erwachsen. Denn mächtiger als das Schicksal ist die Seele: sie formt alle Dinge nach ihrem Willen und ist sich selbst die Ursache zu einem glücklichen oder unglücklichen Leben.

Der Unweise wendet alles zum Schlechten, auch, was mit dem Schein des Besten gekommen ist. Der Weise und Rechtschaffene verbessert das Schlimme des Schicksals, mildert das Harte und Herbe, indem er das Angenehme dankbar und bescheiden, das Widerwärtige standhaft und gelassen hinnimmt.

Dm, der so handelt, kann nichts Widriges widerstehen. Eine solche Seelenhaltung gewinnt, wer bedenkt, was alles der Wechsel menschlicher Dinge zur Folge hat, noch ehe er ihn erfährt, wer seine Lieben und seine Güter so besitzt, als werde er sie nicht immer besitzen und nicht unglücklicher werden, wenn sie ihm entgleiten.

>Vergänglich ist jedes Gut der Sterblichen<, sagt Metrodorus. Das gilt von den Gütern, nach denen alles rennt, um sie zu erhaschen. Und es gilt von der Furcht, sie wieder zu verlieren. Mehr leidet, als nötig ist, wer eher leidet, als nötig ist... Das wahre Gut aber stirbt nicht; es ist sicher und unvergänglich: die Weisheit und die Tugend. Diese allein werden uns als etwas Unsterbliches zuteil. Sonst aber ist es so: was immer es auch ist, dessen >Besitzer< du dich nennst – es ist nur bei dir, es ist nicht dein.«

Das einzige, was dein ist, bist du selbst. Und das einzige, was dich in allem Wandel und Wechsel der Dinge oben hält ist der Mut zu dir selbst.

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© (Versión Alemán) Karl O. Schmidt, Drei Eichen Verlag, Engelberg / Schweiz
(English traduction by Jörn Malek)