2. Seneca als Lebens-Lehrer

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Der Schriftsteller, Philosoph und Staatsmann Lucius Annaeus Seneca, im Jahre 4 vor Chr. Zu Corduba in Spanien als Sohn eines Römers geboren, verbrachte seine Jugend in Rom, wo er eine sorgfältige Erziehung genoss und sich früh durch seelische Reife und geistige Überlegenheit auszeichnete. Nach Abschluss seiner Erziehung unternahm er eine längere Reise nach Ägypten, wo er sich die pythagoreische Denkweise der Ehrfurcht vor dem Leben, des Verzichts auf Fleischgenuss und der Furchtlosigkeit vor dem Tode --- im Gewiss-sein der Wiederkehr --- zu eigen machte.

Nach seiner Rückkehr beschritt er in Rom die Laufbahn eines Kaiserlichen Beamten und Würdenträgers und stand bald als Anwalt und Redner in hohem Ansehen. Im Jahre 41 wurde er von Claudius nach Korsika verbannt, wo er Zeit fand, sich als Schriftsteller zu entfalten. Hier entstanden neben einigen Tragödien seine lebensphilosophischen Schriften. Im Jahre 49 wurde er nach Rom zurückberufen und von Julia Agrippina, der zweiten Gemahlin des Kaisers Claudius, zum Erzieher ihres Sohnes Nero bestimmt, bis dieser im Jahre 54 zum Kaiser ausgerufen wurde.

Seneca stand Nero weiterhin als Berater und schließlich als Kanzler zur Seite. Er lehrte ihn Güte und Milde als Ausdruck der Weisheit und rechten Machtanwendung, doch konnte er den zwielichtigen Charakter und die psychopathische Veranlagung des Kaisers nicht ändern, die zunehmend in Erscheinung trat und Nero dazu trieb, dass er seine Mutter ermorden ließ.

Neidern des nicht nur an Geist, sondern auch an Macht und Besitztümern reichen Philosophen gelang es schließlich, Seneca bei Nero zu verdächtigen, worauf Seneca sich im Jahre 62 zurückzog. Drei Jahre später, als der Wahnsinn des Cäsar offen ausbrach, verurteilte Nero Seneca wegen angeblicher Teilnahme an der Pisanischen Verschwörung zum Tode durch eigene Hand. Seneca nahm das Urteil mit der Gelassenheit entgegen, die er zeitlebens gelehrt und gelebt hatte, ließ sich im Bad die Pulsadern öffnen und ging unter Gesprächen mit Freunden lächelnd von dannen --- seinen Feinden noch im Tode überlegen.

Mit ihm verlor Rom seinen größten Prosa-dichter und bedeutendsten Ethiker, dessen Schriften in ihrer Tendenz dem Geist des Christentums nahekamen. Sie erfreuten sich nicht nur der Zustimmung von Kirchenvätern wie Hieronymus und Humanisten wie Erasmus, sondern unzähliger Philosophen, Dichter und Lebenspraktiker bis heute, die seine Worte über Lebensweisheiten der Stoiker bestätigen: »Sie rauben dir keine Zeit, sondern bereichern deine Zeit und dein Wesen. Das Gespräch mit ihnen ist segenbringend, ihre Freundschaft lebensfördernd. Sie sind Vorbilder, denen nachzueifern beglückt.«

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