9. Philosophie als Lebens-Kunst

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Untertitel

Um richtig zu leben, das Notwendige zu tun und das Hemmende zu lassen, muss man ein Philosoph sein. Was ein Philosoph ist sagt uns Seneca:

»Es ist ein Geschenk von Gott, dass wir leben; dass wir aber richtig und sittlich gut leben, verdanken wir der Philosophie... Die Kenntnis der Lebensweisheit zwar haben die Götter keinem verliehen, allen aber die Anlage dazu. Beim Einzelnen liegt es, was er mit ihr anfängt. Schließlich verdankt man den Grad seiner Weisheit, seiner rechten Gesinnung und Gesundheit sich selbst. Niemand kann sie von anderen empfangen.

Man wendet sie auch nicht als Zeitvertreib an oder um Untätigkeit erträglich zu machen. Sie will und soll uns innerlich formen und bilden. Sie muss unser Leben regeln und unser Tun leiten. Sie steht am Steuer und lenkt unsere Lebensfahrt. Sie verbürgt uns ein Leben ohne Furcht; sie gibt, weil sie nicht Lehre, sondern Tat ist, Sicherheit auf unserem Wege, Gelassenheit und die Fähigkeit der Lebens-Meisterung.

Man lernt sie nicht aus Büchern, sondern in der Schule des Lebens. Bücher können dabei nützliche Wegweiser sein, wenn man nicht viele, sondern gute Bücher hat und beim Lesen eine klare Richtung einhält. Wechselnde Lektüre zerstreut nur.

Sammle dich allezeit auf das Wesentliche und dir Gemäße! Das lässt zwischen dir und der Masse einen wachsenden Abstand entstehen. Was Gott in der Ewigkeit schuf, musst und kannst du in der Zeit erreichen. Welch Gewinn, wenn einer trotz der gebrechlichen menschlichen Natur die Sicherheit eines Gottes besitzt. Unglaubliche Kräfte ruhen in der Philosophie, mit denen man alle Eingriffe des Zufalls wirkungslos machen kann.

Man kann sie wie eine uneinnehmbare Mauer um sich herum aufbauen, die von außen her auch mit dem Aufwand vieler Kampfmaschinen nicht durchbrochen werden kann. Wer sich um äußere Dinge und Umstände nicht mehr sorgt und sich in seiner Burg stark weiß, befindet sich in einer unbesiegbaren Stellung.

Das Schicksal hat nicht den langen Arm, den man ihm zuschreibt; es hat nur Gewalt über Menschen, die sich an das Schicksal klammern oder es fürchten. Daher gilt es, Abstand zu gewinnen, indem wir die Natur und uns selbst klar erkennen, uns bewusst werden, woher wir kamen und wohin wir gelangen wollen, was gut und was schlecht für uns ist, was als Gott-würdig zu erstreben und was zu meiden ist. All das lehrt uns die Philosophie als Lebens-Kunst.«

Sie ist darum das wichtigste Fach in der Schule des Lebens. Marc Aurel vergleicht sie treffend mit der Fechtkunst, »mit der die Lebens-Kunst mehr Ähnlichkeit hat als mit der Tanzkunst, insofern man stets auf unvorhergesehene Streiche gefasst sein und unerschütterlich fest stehen muss.«

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