8. Wie man ein Lebens-Meister wird

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Untertitel

Weise Lebensführung, sagt Seneca, »gelingt keinem durch Zufall. Geld kann unerwartet hereinströmen, eine Ehre kann dir angetragen werden, Einfluss und Rang kann dir unversehens zuteil werden; aber sittliche Vollkommenheit, geistige Lebensreife und Daseins-Meisterung fallen dir nicht von ungefähr zu. Man muss sich zeitlebens darum bemühen.«

Und wie wird man eine Lebens-Meister? Die meisten Menschen sind Opfer selbstgeschaffener oder übernommener Täuschungen. Sie sehen Unheil und Gefahren wachsen, während doch nur ihr Wahn wächst und ihren Seelenspiegel trübt. Sie leben Sorgen und Angst-gejagt von der Zukunft, statt das Glück der Gegenwart auszuschöpfen und dadurch die glückliche Zukunft zu sichern.

»Die Welt ist weder vollkommen noch unvollkommen, sondern das was wir aus ihr machen. Je nachdem wie wir die Dinge ansehen, erscheinen sie uns gut oder schlecht, erquicken oder quälen sie uns. Sie haben stets den Wert und die Wirkung, die wir ihnen zudenken. An sich sind sie weder gut noch böse; erst unser Denken macht sie glücklich oder unheilbringend.«

Das meiste Unglück gebiert die falsche Meinung, dass Unglück sein müsse. Man schämt sich nicht, von Leiden und Krankheiten, von Unglück aller Art zu reden. Würde sich jeder erziehen, nur von Gutem, Beglückendem zu sprechen – alle würden glücklicher werden!

Denn wir ziehen herbei, was wir vorwiegend denken und aussprechen. Durch rechtes Denken können wir Leid und Missgeschicke so gut von uns fernhalten wie Missstimmung und Krankheit.

Glücklich ist nach Seneca nur, wer sich um Weisheit bemüht und danach handelt. »Gewiss gibt es hier viele Stufen und auch unter den fortgeschrittenen Schülern der Weisheit große Unterschiede. Bei unserem Streben nach Vervollkommnung hindern uns andere Denkfehler. Aber welch herrliche Belohnung erwartet uns, wenn wir sie abschütteln. Begierde und Furcht können uns dann nicht mehr zum Nachgeben verleiten; Schrecknisse werden uns unbewegt lassen; der Hang zu sinnlichen Vergnügungen wird uns nicht mehr in die Irre führen; und wir werden den Tod so wenig fürchten, wie Gott. Wir werden die beglückende Erfahrung machen, welch unschätzbarer Wert es ist, Herr über uns selbst zu sein. Denn wer Herr über sich ist, ist auch Meister seines Lebens.

Du weißt, in welcher Knechtschaft einer steht, den Sinneslust und Schmerzen, beides kraftlose Gebieter, abwechselnd in Beschlag nehmen. Darum muss man sich durchringen zur Freiheit; diese aber erringt man nur durch die Erweckung des Bewusstseins der Schicksalsüberlegenheit. Dann wird uns jenes unschätzbare Gut zu eigen: Gelassenheit und Erhabenheit der Seele, die einen höheren Standpunkt gefunden, die sich fürchten verlernt hat, die aus der rechten Wahrheitserkenntnis ungestörte Freude gewinnt, stete Freundlichkeit und Heiterkeit des Gemüts.«

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