7. Leben lernen

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Untertitel

Warum hört man so manchen von seiner Arbeit, seinen Ämtern, Aufgaben und Verpflichtungen voll in Anspruch genommen klagen: >Ich komme nicht zum Leben!Seneca klarstellt »alle, die dich in Anspruch nehmen, dich dir selbst entziehen. Durchmustere die Tage deines Lebens – und du wirst sehen, wie wenige auf deinem Konto verbleiben, die dir selbst gehören ... Wer hingegen richtig lebt, jeden Augenblick nützt und jeden Tag so einrichtet, als wäre er der letzte, der lebt im ewigen Jetzt.

Lehrer in den Künsten und Wissenschaften gibt es genug, leben aber muss man das ganze Dasein hindurch selbst lernen, bis man darin Meister ist. Auf diesem Wege ist, wer dazu gelangt, sich nichts von seiner Zeit nehmen zu lassen: sein Leben ist das längste und reichste, weil es, einerlei, wie weit es sich ausdehnt, ganz ihm selbst gehört. Nichts davon lag brach, nichts war anderen unterworfen.

So viele drängen stürmisch vorwärts und leiden an der Sehnsucht nach der Zukunft, am Überdruss der Gegenwart. Wer hingegen alle Zeit zu seinem Gebrauch verwendet und jeden Tag so ordnet, als wäre er sein ganzes Leben, der wünscht weder den folgenden, noch fürchtet er ihn.

Aus grauen Haaren und Runzeln muss man noch nicht schließen, dass einer lange gelebt habe; er hat nur lange existiert. Ich wundere mich immer, wie viel Zeit ihres Lebens manche anderen Leuten schenken. So behandelt man die kostbarste Sache, als wäre es nichts. Betrachte aber die gleichen Leute, wenn sie krank sind und der Tod näherrückt: dann sind sie bereit, alles zu opfern, um fortleben zu können. So ein Widerspruch!

Niemand bringt dir verlorene Jahre wieder, niemand gibt dich dir selbst zurück. Du bist geschäftig, dein Leben eilt dahin; inzwischen wird der Tod erscheinen, für den du, ob du willst oder nicht, Zeit haben musst ... Die meisten richten ihr Leben auf Kosten ihres Lebens ein und planen für die Zukunft. IIn diesem Hinausschieben liegt der Fehler: es entreißt dir die Gegenwart. Das größte Hindernis glücklichen Lebens ist die Erwartung, die vom Morgen abhängt. Du verlierst den heutigen Tag; was in der Hand des Schicksals liegt, suchst du zu ordnen; was in der deinigen liegt, lässt du fahren. Wie falsch denkst du!

Alles, was in der Zukunft liegt, ist ungewiss; darum lebe den Augenblick! Vergil der große Dichter, warnt dich: »Immer der beste Tag aus des Sterblichen Leben flieht zuerst. Was zauderst du? Wenn du nicht den Augenblick ergreifst, entschwindet er dir. Wetteifere darum mit der Eile der Zeit durch Schnelligkeit der Benutzung und lerne, nicht auf bessere Zeiten zu warten, sondern den Tag zu nutzen.«

Für den, der so lebt, ist jeder Morgen der Beginn eines neuen Lebens.

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