68. Alles ist eins

Index

1. Woche
2. Woche
3. Woche
4. Woche
5. Woche
6. Woche
7. Woche
8. Woche
9. Woche
10. Woche
11. Woche
12. Woche
13. Woche
14. Woche
15. Woche
16. Woche
17. Woche
18. Woche
19. Woche
20. Woche
21. Woche
22. Woche
23. Woche
24. Woche
25. Woche
26. Woche
27. Woche
28. Woche
29. Woche
30. Woche
31. Woche
32. Woche
33. Woche
34. Woche
35. Woche
36. Woche
37. Woche
38. Woche
39. Woche
40. Woche
41. Woche
42. Woche
43. Woche
44. Woche
45. Woche
46. Woche
47. Woche
48. Woche
49. Woche
50. Woche
51. Woche
52. Woche
53. Woche
54. Woche
55. Woche
56. Woche
57. Woche
58. Woche
59. Woche
60. Woche
61. Woche
62. Woche
63. Woche
64. Woche
65. Woche
66. Woche
67. Woche
68. Woche

Untertitel

Philosoph sein heißt, nach Seneca, sich allem Leben und Sein innerlich verbunden fühlen. Überall reicht die Natur uns mütterlich die Hände entgegen; aber wir müssen den schlummernden Natursinn in uns erwecken: jenes beseelende Bewusstsein, mit Baum und Berg, Mensch, Tier und Pflanze eins zu sein. Dann kündet uns die Gottheit, aus jedem Ding, jedem Wesen: Das bist du selbst!

Es gibt, fügt Marc Aurel hinzu, »nur ein Sonnenlicht, auch wenn es durch die Dinge tausendfach zerstreut wird. Ebenso gibt es nur eine Gottheit, wenn sie sich auch in Myriaden Formen offenbart, und nur eine Seele, wenn sie auch in unzähligen Geschöpfen in Erscheinung tritt und wirksam wird. Wer das jetzt Seiende erkennt, der umfasst und überschaut alles, was von jeher war und was in alle Ewigkeit sein wird. Denn alles ist eins.

Alles ist wie durch ein heiliges Band miteinander verflochten. Darum ist uns nichts fremd. Alles Geschaffene und Geschöpfliche ist einander zu- und beigeordnet und zielt auf die Harmonie des Ganzen. Aus unendlichen Einzelnen zusammengefügt, ist eine Welt vorhanden. Ein Gott durchdringt alles, ein Geist ist allen gemeinsam, und eine Vollkommenheit ist alles Gewordenen Ziel.

Ich bin ein Teil des Ganzen und stehe als solches mit allen mir gleichartigen Teilen in lebendigem Zusammenwirken. Darum bin ich mit nichts unzufrieden, was mir als einem Teil des Ganzen zugeteilt wurde und wird; kann doch nichts dem Teil schädlich sein, was dem Ganzen zuträglich ist. Das Ganze aber ist in Harmonie und enthält nichts, was ihm unzuträglich wäre.

Im gesamten Weltsystem gibt es nichts, was nicht dem Ganzen dient. Dies haben alle Wesen miteinander gemein. Darum tue ich nichts, was dem Gemeinwohl abträglich wäre, vielmehr richte ich mein ganzes Streben -- mit steter Rücksicht auf meine Mitmenschen – auf das allgemeine Wohl. Ich weiß, dass mein Leben dann glücklich dahinfließt.

Wer tiefer sieht, erkennt überall die Spuren der göttlichen Vorsehung. Auch die zufälligen Ereignisse sind bedingt durch die Verkettung und das Zusammenwirken Vorsehens-gelenkter Ursachen. Mit der Vorsehung verknüpft sich sowohl die Notwendigkeit als auch das, was der Harmonie des Weltganzen dienlich ist, von dem jeder von uns ein Teil ist. Was mit dem Ganzen übereinstimmt und seinem Wohl dient, ist auch für jeden Teil gut und förderlich.«

Darum bejaht der Weise sein Einssein mit allem, was lebt, und sein Schicksal als Teil des auf Harmonie und Vollendung zielenden Schicksals der Welt -- im Geiste der Einheit. Und er lässt sich willig vom Gott in ihm leiten, der ein Funke ist aus dem Lichtmeer der Gottheit.

««    »»