67. Leben ist ewig

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Untertitel

Wie ein Flamme sich stets in die Höhe erhebt und himmelwärts lodert, so, sagt Seneca, »ist auch der Geist in steter Bewegung höhenwärts und bis zum letzten Tage seiner Erdendverkörperung um so feuriger und kraftvoller, je tätiger er ist. Glücklich nun, wer diesen Drang auf das Edle, Gute, Göttliche richtet: er entzieht sich im gleichen Masse der Gewalt des Schicksals.

Einem solchen Geist kommt es zu, allen Schein zu verachten und das Mäßige dem Unmäßigen vorzuziehen. Allzu üppiges Wachstum drückt die Saat zu Boden. Gleichermaßen geht es den Gemütern, die ein übermäßiges Glück aus den Fugen treibt, indem sie davon nicht nur zu anderer, sondern auch zu ihrem eigenen Schaden Gebrauch machen.

Du tust das Beste und Heilsamste, wenn du beharrlich nach einer edlen Gesinnung strebst. Du brauchst sie nicht herbeizuwünschen, sondern sie nur dir aus dem Schlummer zu wecken. Denn du kannst sie nur von dir selber verlangen. Nicht zum Himmel brauchst du die Hände zu erheben; die Gottheit ist dir nahe, sie ist bei dir, sie ist in dir.

Ich folge dem Gott in mir nicht, weil ich muss, sondern aus eigenem Antrieb. Darum kann mir nichts zustoßen, das ich traurig, missmutig oder widerstrebend hinnehmen würde -- den Tod eingeschlossen.

Der Weise sieht im Schlaf den Bruder des Todes: beide ändern das Bewusstsein, aber nicht das Wesen, das auch nach dem Todesschlaf einem neuen Tag entgegen schreitet. Wie man sich beim Schlafengehen sagen sollte: >Ich habe heute gelebt und den mir vom Schicksal bestimmten Weg zurückgelegt; wenn es mir einen neuen Morgen schenkt, werde ich ihn freudig entgegennehmen!<, so gilt es der Todesstunde entgegenzusehen im Blick auf einen neuen Lebenstag mit neuen Fortschritten.«

Seneca ist von der gleichen Gewissheit beseelt wie Ovid: »Nicht ist sterblich der Geist; von seiner früheren Wohnung geschieden, lebt er fort und bezieht eine neue ihm verliehene Wohnstatt.« Für ihn ist der Tod kein Ende, sondern Übergang zu einer neuen Form des Lebens, das selbst ewig st, wie jede Kraft unzerstörbar fort und fort wirkt. So sah es auch Marc Aurel:

»Stelle dir das Universum als ein Wesen vor, das aus Materie und Geist besteht. Erkenne, wie sich alles zusammenfügt und zusammenwirkt, alles mit allem Werdenden und Seienden in begründetem Zusammenhang lebt... Und gewöhne dich an den Gedanken, dass der Allgeist alle Verkörperungen seiner selbst ständig umwandelt, um sie neu zu schaffen, und dass alles, was ist, ewig ist.<<

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