66. Auf dem Weg zur Vollendung

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Untertitel

Philosoph sein heißt nach Seneca, seines steten Fortschritts auf dem Wege zum Himmel, zur Vollendung, bewusst sein. Weise handelt, wer im Blick auf seine Stellung in der Schule des Lebens nach Reife und Selbstverwirklichung strebt:

»Der Weg zum Himmel wird denen leichter, die beizeiten vom Verkehr mit Menschen frei werden. Sie haben weniger Erden-schlacken in sich aufgenommen und lösen sich leichter aus den Bindungen und Beengungen des Daseins. Und wohl ihnen, wenn ihnen kein allzu langer Aufenthalt im Körper beschieden ist, wenn sie, wie ein Feuer, das um so schneller erlischt, je heller seine Flamme brennt, um so kürzer auf Erden weilen, je strahlender ihr Geist leuchtet!

Aber wenn ich auch nicht meine, man solle ein hohes Alter ersehnen, soll man es doch nicht zurückweisen. Es ist eine angenehme Aufgabe, lange Zeit mit sich zusammen zu sein, wenn man sich solche inneren Werte geschaffen hat, dass man an sich selber Freude findet, und wenn man bis ins höchste Alter weiter lernt, wächst und reift, Fehler ausmerzt und neue Tugenden gewinnt.

Es ist etwas Schönes, sein Leben schon vor dem Tode zur Vollendung zu führen. Dann kann man die restlichen Tage eines wahrhaft glücklichen Lebens in Ruhe verbringen, da die Zeit keine Macht mehr über einen hat...

Wenn ich auch alt geworden bin – meine geistige Kraft ist ungebrochen, und ich freue mich, nicht mehr viel mit dem Körper zu schaffen zu haben. Mein geistiges Wesen hat einen großen Teil seiner Last abgelegt. Es ist froh und des Werts des Alters als der Blütezeit des Geistes bewusst.

Furchtlos bereite ich mich auf den Tag vor, an dem ich ohne viele Worte ungeschminkt über mich urteilen kann, ob ich nun tapfere Worte machte oder wirklich so empfand und so bin. Was man zuwege gebracht hat, wird offenbar, wenn es ans Sterben geht.

Ich nehme diese Bedingung an und fürchte den Urteilsspruch nicht. Wer vor dem Sterben zu sterben gelernt hat, wer sich mit dem Tode angefreundet hat, hört auf, Knecht zu sein. Er ist aller fremden Macht und Gewalt überlegen.

Wer lebt, nachdem er sein Dasein zu höchstmöglicher Vollendung geführt hat, ist erhaben über die Wandlungen des Schicksals. Er ist frei.«

Er hat, mit dem Wort Marc Aurels erkannt, »dass, was die Gottheit ihm während seines Erdendaseins auftrug und zutrug und was zu ertragen er sich fähig erwies, ihm zuträglich und zugleich im höchsten Masse ertragreich war.«

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