5. Glückselig leben

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Untertitel

Seneca nennt glücklich nicht den, der anderen so vorkommt ,sondern den, der sich selbst glücklich weiß, richtig denkt und urteilt, mit dem Bestehendem zufrieden ist und das was er ist, gutheißt und bejaht:

»Glückselig zu leben wünschen alle; aber die Grundlagen solchen Lebens erkennen nur wenige. Es ist auch nicht einfach, dazu zu gelangen; wer einmal den Weg verfehlt hat, kommt leicht immer weiter davon ab. Man muss sich daher zuerst klar werden, was man ersehnt, um alsdann den Weg zu beschreiten, der am raschesten ans Ziel führt. Einmal auf dem richtigen Wege, sieht man bald, wie viel des Weges man täglich zurückgelegt hat und wie weit das Ziel noch entfernt ist.

Nichts bringt uns mehr zurück auf dem Wege zum Glück, als dass wir uns nach dem Gerede der Leute richten und, statt nach unserer Überzeugung, nach dem Beispiel der Umwelt leben. Mehrheit ist selten Wahrheit. Wir müssen uns selbst fragen, was am besten zu tun sei. Wir müssen das suchen, was als gut erprobt ist, was nicht nur auf der Außenseite gut erscheint, sondern gehaltvoll und sich gleichbleibend und auf der verborgenen Seite noch schöner ist als auf der sichtbaren.

Wie alle Stoiker halte ich mich an die Natur. Von ihr nicht abirren und nach ihrem Gesetz und Vorbild leben, ist Weisheit. Glücklich ist also ein Leben, das mit der Natur in Einklang steht, wozu nötig ist, dass der Geist gesund, kräftig und entschlossen ist, zudem rein und gelassen, sich in die Umstände fügend, auf seinen Körper und dessen Bedürfnisse sehend, jedoch ohne ängstliche Sorge, auch die übrigen zum Leben gehörenden Dinge nicht vernachlässigend, ohne auf irgend eines großen Wert zu legen, bereit die Gaben des Glücks zu nützen, ohne ihr Sklave zu werden.

Du siehst, dass daraus beständige Gemütsruhe und innere Freiheit erwachsen muss. An die Stelle bloß sinnlicher Genüsse und all dessen, was kleinlich, vergänglich und darum leidvoll ist, tritt unerschütterliche Freude, Friede und Harmonie der Seele, gepaart mit Sanftmut; denn Rohheit stammt stets aus Schwäche.

Ein glückseliges Leben ist also jenes, das auf rechter Lebensansicht beruht. Dann nämlich ist die Seele ungetrübt und frei von Übeln und ihrer unüberwindlichen Kraft voll bewusst, wenn sie sich über Verletzungen wie Quälerei gleichermaßen hinwegsetzt, entschlossen stehenzubleiben, wo sie einmal Fuß gefasst hat, und ihren Platz allen Stürmen des Geschicks zum Trotz zu behaupten.«

Dann gelangt sie zur Freiheit und Schicksalsüberlegenheit und hat jene Gelassenheit und Erhabenheit der Seele gewonnen, der unerschütterliche Freundlichkeit und Heiterkeit des Gemüts eignet.

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