58. Seelenstillung

Index

1. Woche
2. Woche
3. Woche
4. Woche
5. Woche
6. Woche
7. Woche
8. Woche
9. Woche
10. Woche
11. Woche
12. Woche
13. Woche
14. Woche
15. Woche
16. Woche
17. Woche
18. Woche
19. Woche
20. Woche
21. Woche
22. Woche
23. Woche
24. Woche
25. Woche
26. Woche
27. Woche
28. Woche
29. Woche
30. Woche
31. Woche
32. Woche
33. Woche
34. Woche
35. Woche
36. Woche
37. Woche
38. Woche
39. Woche
40. Woche
41. Woche
42. Woche
43. Woche
44. Woche
45. Woche
46. Woche
47. Woche
48. Woche
49. Woche
50. Woche
51. Woche
52. Woche
53. Woche
54. Woche
55. Woche
56. Woche
57. Woche
58. Woche
59. Woche
60. Woche
61. Woche
62. Woche
63. Woche
64. Woche
65. Woche
66. Woche
67. Woche
68. Woche

Untertitel

Mögen draußen Lärm und Unruhe herrschen, sagt Seneca, sie berühren uns nicht, »wenn kein Gedankenlärm die Seelenruhe stört. Nur die Ruhe ist wirklich, von Dauer und beglückend, die im Inneren ihren Sitz hat.

Bei so vielen aber ist selbst das Nichtstun, die Freizeit, das Ausruhen von Geschäftigkeit und Betriebsamkeit erfüllt. Im Bett, in der Einsamkeit, in den Ferien, von allem abgesondert, sind sie sich selbst zur Last. Auch jene, die ihren Körper in der Sonne rösten lassen oder ihre Zeit mit Spielen verbringen, haben keine eigentliche Muße; denn ihre Vergnügungen machen wirklich Seelenstillung und -ruhe schwer oder unmöglich.

Ebenso haben jene, die ihre Zeit mit Unterhaltungsschrifttum oder unnützen literarischen Studien verbringen, weder wahre Seelenruhe, noch bringen sie etwas Vernünftiges zustande. Sie werden dadurch weder weiser noch tapferer, weder gerechter noch gütiger.

Frei von Unruhe und seelisch gestillt sind alleine jene, die sich gelassenen Geistes dem Studium der Weisheit widmen. Sie allein leben. Sie machen sich die Erkenntnisse und Errungenschaften aller Zeiten dienstbar. Sie haben erkannt, dass die großen Geister der Menschheit für sie geboren sind und ihre Lebensregeln für sie aufgestellt haben. Sie lernen die Zeit des Schaffens und der Befriedigung der Körperbedürfnisse ebenso zu nützen wie die Zeit der Ruhe. Sie überwinden die Rastlosigkeit ihrer Natur durch Gelassenheit. Sie sind bei sich selbst und leben inmitten des Lärms der Zeit in der Stille der Ewigkeit. Sie zeigen, dass der Weise sich selber genug ist, um glücklich zu leben.

Die Unterscheidung des Chrysippus besteht zurecht: >Dem Weisen mangelt nichts, wenn er auch mancher Dinge bedarf; der Tor dagegen bedarf nichts, denn er weiß es nicht zu gebrauchen, aber es mangelt ihm alles.< Der Weise bedarf der Augen, Hände und anderer Dinge, aber es mangelt ihm nichts. Denn Mangel beruht auf Notwendigkeit; für den Weisen aber ist nichts notwendig. Mag er sich aber auch selbst genug sein, so bedarf er doch der Freunde, und er wünscht deren möglichst viele zu haben – nicht um glücklich zu leben, denn er lebt auch ohne Freunde glücklich, sondern um glücklich zu machen.«

Marc Aurel ergänzt Senecas Worte durch die Feststellung, »dass die Seele, die in sich gesammelt und mit sich eins ist, sich selbst genügt. Sie gleicht einer Festung, zu der die Außendinge keinen Zugang haben. Wer diese starke Schutzwehr der in sich gesammelten, gestillten Seele nicht kennt, ist unwissend. Wer sie kennt, ohne seine Zuflucht zu ihr zu nehmen, ist unglücklich und unvermögend, seine Gestimmtheit selber zu bestimmen. Wer sie kennt und weise nützt, ist allem entzogen und überlegen, was seinem Wesen nicht gemäß ist.«

««    »»