57. Selbst-Einkehr

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Untertitel

Wir schwimmen alle kämpfend und erleidend im Strome der Zeit und wirken durch unser Denken, Tun und Lassen mit am Lauf des Stroms. Wir können aber nur dann zum Segen für alle wirken und unseren Weg bestimmen, wenn wir von Zeit zu Zeit mitten im Strom innehalten, stillstehen, in uns selbst einkehren und von der Warte des Ewigen in uns Umschau halten, um unser selbst, unseres Weges und unseres Zieles bewusst zu bleiben. Darum fordert Seneca uns immer wieder auf:

»Ziehe dich so viel wie möglich in dich selbst zurück. Man muss für sich selbst und zur Betrachtung seiner selbst Zeit haben und zur Selbstbesinnung kommen, wenn man sein Leben meistern will. Wer so handelt, steht auch in der Zurückgezogenheit und Selbst-Einkehr keinen Augenblick außerhalb der Gemeinschaft, der er angehört. Er hat nur seinen engen Winkel verlassen und lebt in größeren Verhältnissen und Zusammenhängen. Er ist gerade dann am tätigsten und wirksamsten, wenn er in der Stille mit weit-schauendem Blick Irdisches und Himmlisches zugleich erfasst.«

Unser Leben ist nur darum arm an wirklichem Reichtum, weil wir zu sehr nach außen leben. So gehen wir mit geschlossenen Augen an den nicht gehobenen Schätzen unserer Seele vorbei. Bitter notwendig ist darum für die meisten die Mahnung Senecas und die gleichsinnige Schleiermachers: »Sorge nicht um das was kommen mag, und weine nicht um das was vergeht; aber sorge, dich nicht selbst zu verlieren, und weine, wenn du dahintreibst im Strome der Zeit, ohne den Himmel in dir zu tragen.«

Solange wir Vergänglichem nachjagen, bleiben wir dem Gesetz des Vergehens unterworfen. Wenden wir unseren Blick dem Ewigen in und über uns zu, wachsen wir über alle Beschränkungen hinaus. Ein Ruf zur Freiheit und zum Glücklichsein ist darum die Mahnung des Philosophen: Metanoeite! >Wendet euch um!< Schaut, statt immer nur nach außen, mehr nach innen. Denn je mehr ihr in der Stille und Meditation euch dem inneren Leben eint und die Kraftströme des Ewigen berührt, desto größer wird die Mannigfaltigkeit des Glücks, die euch aus den Niederungen des Daseins empor trägt zu den Höhen der Freiheit.

Je mehr ihr in innerer Abgeschiedenheit und Selbst-Einkehr euch dem Göttlichen weiht, bis ihr Wort in euch laut wird, desto mächtiger wird der Strom der Glückseligkeit, der eures Lebens Schiff sicher durch alle Fährnisse des Daseins lenkt. Dann werdet ihr erkennen: ein Gott wohnt in uns. Er wartet darauf, uns himmelwärts zu führen. Er wartet darauf uns glücklicher zu machen. Doch er hilft uns immer nur so weit, als wir ihm und uns selbst vertrauen und seiner weisen Führung folgen. Tun wir das, werden wir unmerklich Meister unserer selbst und unseres Schicksals.

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