55. Die innere Kraft

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Untertitel

Die über die Schwere des Daseins und über mangelnde Kraft klagen, sehen nur die Oberfläche des Lebens, während die Weisen aus der Tiefe leben und aus den Kraftquellen des Ewigen schöpfen. Sie wissen, dass Leben und Schicksal davon abhängen, wie weit einer seines Verwurzelt -seins im Göttlichen bewusst und gewiss ist. Wie Seneca rät auch Marc Aurel zur täglichen Besinnung auf den inneren Kraftquell:

»Die Natur hat dich nicht so gänzlich mit deinem Körper vermengt, dass du dich nicht auf dich selbst zurückziehen und mit ungehinderter Freiheit das tun könntest, was deine Pflicht erheischt. Es ist durchaus möglich, ein göttlicher Mensch zu sein und doch von niemandem als solcher erkannt zu werden. Dessen sei stets eingedenk; dann weißt du, wie wenig zu einem glückseligen Leben erforderlich ist.

Immer wieder wende dich nach innen; denn dort ist alles Guten Quell: ein unerschöpflicher Kraftquell, wenn du nur tief genug nach gräbst. Statt über Sorgen zu grübeln, gehe in die Stille und lass dir im Frieden des Inneren die Tatkraft geben, das Leben zu meistern.

Immer, wenn widrige Umstände dein Gemüt beunruhigen wollen, kehre in dich selbst zurück. Im Frieden des Innern weilend, wirst du jeder Stimmung Herr. Im Grunde will jeder Widerstand dich mahnen: Wach auf, komm‘ zu dir selbst und sei du selbst! Wie du morgens beim Erwachen erkennst, dass es nur Träume waren, die dich quälten, erkenne auch im wachen Zustand die Unannehmlichkeiten als Traumgespinste, die dein wahres Selbst, den Geist in dir, nicht berühren.

Vergiss nicht, dass du in dreierlei Beziehungen stehst: zur Körperhülle, die dich umkleidet, zu den Mitgeschöpfen und zum göttlichen Ursprung. Dorthin wende dich selbst-besinnend in der Stille – im Bewusstsein deiner Verwandtschaft mit allem, was lebt, und deiner Einheit mit dem Göttlichen!

Und bedenke stets im Blick auf deinen Nächsten, dass wir Menschen füreinander da sind. Also belehre sie oder hilf ihnen, wenn das möglich ist, oder dulde sie. Wie Gott auch gegen jene, die falsch denken und handeln, immer gleich nachsichtig ist und auch ihnen Gesundheit und Reichtum leiht, so sei du bemüht, ihm hierin zu gleichen und deine Überlegenheit durch Nachsicht und Güte zu erweisen.

Es ist ein Vorzug des Menschen, dass er auch gegen jene, die ihn kränken, gütig und liebevoll zu sein vermag, weil er seiner inneren Kraft und Überlegenheit gewiss ist und weil er bedenkt, dass alle Menschen eines Geschlechts und Geistes sind und dass sie nur aus Unwissenheit fehlen. Sie verdienen Nachsicht und Mitleid, weil sie ihr eigentliches Lebensziel verfehlen und weil sie deine eigene Seele weder verletzen noch verschlechtern können. Das kannst nur du selbst, und weise geworden, lässt du es.«

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