51. Lebens-Zielsetzung

Index

1. Woche
2. Woche
3. Woche
4. Woche
5. Woche
6. Woche
7. Woche
8. Woche
9. Woche
10. Woche
11. Woche
12. Woche
13. Woche
14. Woche
15. Woche
16. Woche
17. Woche
18. Woche
19. Woche
20. Woche
21. Woche
22. Woche
23. Woche
24. Woche
25. Woche
26. Woche
27. Woche
28. Woche
29. Woche
30. Woche
31. Woche
32. Woche
33. Woche
34. Woche
35. Woche
36. Woche
37. Woche
38. Woche
39. Woche
40. Woche
41. Woche
42. Woche
43. Woche
44. Woche
45. Woche
46. Woche
47. Woche
48. Woche
49. Woche
50. Woche
51. Woche
52. Woche
53. Woche
54. Woche
55. Woche
56. Woche
57. Woche
58. Woche
59. Woche
60. Woche
61. Woche
62. Woche
63. Woche
64. Woche
65. Woche
66. Woche
67. Woche
68. Woche

Untertitel

Die meisten haben zu dem, was sie sind, und noch mehr zu dem, was sie tun, eine falsche Einstellung: sie sehen darin eine lästige Notwendigkeit, ein leidiges Muss, statt einen Genuss und eine Quelle des Glücks. Dabei ist schon das Tätigsein beglückend, wenn es Frucht rechter Lebens-Zielsetzung ist, aus der sich die jeweiligen Jahres-, Monats-, und Tageszielsetzungen ergeben.

Die im Blick auf die jeweils zu erklimmende nächste Stufe getane Arbeit lässt uns Widerwärtigkeit vergessen, Hindernisse überwinden und stets zuversichtlich dem Sieg entgegen schreiten. Sie gibt unserem Dasein Sinn und Inhalt und lässt uns jene Lebenshaltung gewinnen, die Seneca fordert:

»Es gilt jene ziel-gewisse Haltung des Geistes einzunehmen, durch die das Glück angezogen wird, und an allem das Gute ins Auge zu fassen, zu ergreifen, zu fördern und zu mehren. Wenn wir so ständig über uns selbst hinauswachsen, bleiben wir der Gesetzgeber unseres Lebens. Erbärmlich der Mensch, der sich nicht über das Menschliche erhebt!

Alle Sinne lassen sich von der Weichlichkeit entwöhnen. Sie sind von Natur lenkbar, wenn nicht falsches Denken sie verdirbt. Zu diesem Zweck müssen wir im Rahmen unserer Lebens-Zielsetzung allabendlich Rechenschaft von uns fordern.

Auch Zorn und Missgelauntheit lassen nach, wenn sie wissen, dass sie jeden Tag vor ihren Richter treten. Was ist also schöner als die Gewohnheit, nach der Rechenschaft über den vergangenen Tag, dem neuen Tag Ziele zu setzen. Wie ruhig, tief und erquickend wird der Schlaf, wenn die Seele ihr eigener Beobachter, Richter und Neuordner ist! Ich tue das täglich: wenn das Licht gelöscht ist und meine Frau, die meine Gewohnheit kennt, nicht mehr redet, durchforsche ich mich selbst und den abgelaufenen Tag und wäge meine Gedanken, Worte und Taten. Ich verberge mir nichts, übergehe nichts; denn warum Schwächen fürchten, wenn ich darauf achte und dafür sorge, dass sie schwinden?

Auf diese einfache Weise werden Fehler und Mängel ausgemerzt, wobei die Besinnung auf die Kürze des Daseins ein gutes Hilfsmittel ist. Jeder sage nach der abendlichen Selbstprüfung und im Blick auf die Zielsetzung des neuen Tages zu sich selbst wie zu den anderen: Was haben wir eigentlich davon, dass wir einander die kurze Lebenszeit vergällen, uns beneiden und hassen, kränken und verfolgen, statt unsere Tage uns und anderen freundlich und glücklich zu machen? Wenn wir uns in rechter Gesinnung gegenseitig helfen, ist allen geholfen. Üben wir darum Menschlichkeit und sorgen wir, dass unser Denken und Tun immer auf das Wohl aller gerichtet ist. Denn ehe wir dessen gewahr werden, endet der Tod unsere Mühen.«

««    »»