50. Rechte Selbst-Sicherung

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Untertitel

Mancher möchte gern von sich selber frei und ein anderer sein, eine andere Umgebung, ein anderes Los haben. Da wir aber nicht aus unserer Haut heraus können und unter geänderten Verhältnissen der gleiche Charakter bleiben und deshalb das gleiche Schicksal behalten, ist es weiser, widrigen Umständen mit der selbstsicheren Haltung des ihnen Überlegenen zu begegnen. Dadurch festigt sich unser Charakter und bessert sich unser Los.

Das gilt, wie Seneca sagt, auch in Bezug auf unsere Vermögens-Verhältnisse: »Die meisten finden ihre Sicherheit nicht in sich selbst, sondern in ihrem Besitz, der großen Quelle menschlicher Mühsal. Den Armen wie den Reichen ist ihr Geld ans Herz gewachsen und kann nicht ohne schmerzliche Empfindungen davon losgerissen werden.

Leichter ist es, etwas nicht zu bekommen, als es zu verlieren. Daher sind die vergnügter, die das Glück nie berücksichtigte, als die, welche es verließ. Das erkannte Diogenes, und er sorgte dafür, dass ihm nichts mehr entrissen werden konnte: als ihm sein einziger Sklave entlief, tat er nichts, ihn zurückzuholen. >Es wäre eine Schande<, sagte er, >wenn Manes ohne Diogenes leben könnte, Diogenes aber nicht ohne Manes.<

Wir werden immer das rechte Maß und Sicherheit finden, wenn wir uns an Sparsamkeit und Mäßigkeit gewöhnen, allem Prunk entsagen und die Dinge nach ihrem Nutzen statt nach ihrem Aussehen zu werten. Zügeln wir unsere Begierden, richten wir unsere Kleidung und Nahrung nicht nach der Mode, sondern nach den Bedürfnissen. Beherrschen wir den Gaumen und lernen wir, ungezügelte Hoffnungen und Furcht vor der Zukunft gleichermaßen in Fesseln zu halten.«

Marc Aurel ergänzt diesen Rat im Blick auf Verluste und Enttäuschungen: »Wann immer du in dir selber ruhst und keine falschen Meinungen hegst über das, was dich ängstigen oder betrüben will, hast du dich selbst in Sicherheit versetzt: in dein Selbst. Und dann weißt du, das Widriges dich auf dich selbst hinweisen will und der Entfaltung deiner Kräfte dient.

Kann man also das ein Unglück nennen, das dem Endzweck der Natur des Menschen dient? Was kann dich hindern, gerecht und hochherzig zu sein, besonnen und anständig zu bleiben, vorsichtig im Urteil, trug los, bescheiden und freimütig – alles Eigenschaften, in deren Besitz das Wesen des Menschen besteht. Du gleichst dann einem Fels, an dem sich die Wellen vergeblich brechen. Gleich ihm stehst du fest und sicher da und kannst bejahen: >Wie glücklich bin ich, dass ich trotz dieses Schicksals ruhig bleibe, weder von der Gegenwart noch von der Zukunft geängstigt werde und allezeit gelassen in mir selber ruhe – meines Gesichert -seins von innen her bewusst und gewiss!«

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