49. Rechtes Verhalten

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Der Förderung der Gemütsruhe ist weiter dienlich, dass man bei den Verrichtungen und Geschäften des Alltags auf seine Denk- und Verhaltensweise achtet und in aller Ruhe und Überlegenheit beweist, indem man, wie Seneca rät, »weder in eigenen noch fremden oder öffentlichen Angelegenheiten etwas unternimmt, das die eigenen Kräfte übersteigt, da im anderen Falle kein Tag ohne Widrigkeiten vorübergeht.

Glleiches gilt für die häuslichen Angelegenheiten: sooft du etwas unternimmst, miss dich selbst und zugleich das, was du im Sinne hast, zu tun, damit die Unzufriedenheit über ein Werk, das du nicht vollenden konntest, dich nicht verdrossen macht.

Ebenso ist rechtes Verhalten im Umgang mit anderen geboten, etwa, wenn jemand dich beleidigt. Hast du die Beleidigung selbst als wahr empfunden, prüfe die Gesinnung derer, die dich kränkten: ist es ein junger Mensch, halte es seiner Jugend zugute; sie weiß noch nicht, ob sie recht oder unrecht tut. -- War es ein Weib? Es irrt aus Liebe. -- Ist es einer, der von dir beleidigt wurde? Da geschieht dir kein Unrecht, wenn du leidest, was du zuerst tatest. -- Ist es ein Unglücksfall? Er wird leichter vorübergehen, wenn du dich darin schickst. -- Ist es ein rechtschaffener Mann, der dir ein Unrecht zufügte? Glaube es nicht! -- Ist es ein schlechter? Ärgere dich nicht; wie er es an dir verdient hat, wird er von einem anderen bestraft werden; ja, der ist schon durch sich selbst bestraft, der Unrecht tut. Sowie du allem, was dir widerfährt, gelassen begegnest, wirst du erfahren, dass es sich von selbst besser anlässt, als du dachtest.

Auch gegen Schmerzen achte auf rechtes Verhalten. Körperliche Schmerzen werden leichter erträglich, wenn die Einbildung sie nicht vergrößert, wenn man sich besinnt und sagt: >Es ist unbedeutend, ich halte es aus!< oder: >Es geht vorüber!< Was man für leicht hält, macht man leicht. Alle Gefühle und Umstände sind abhängig von den Gedanken, die man daran knüpft, und von der Haltung, die man zu ihnen einnimmt. Jeder ist so unglücklich oder glücklich, wie er zu sein glaubt.

Statt mit negativen Gefühlen beschäftige dich mit dem bessern Teil deines Wesens. Wenn du bei Schmerzen und Leiden eine selbstbeherrschte Haltung einnimmst, beweist du damit, dass man Leiden überwinden, zum mindesten aushalten kann. Das wird durch Übung zur Gewohnheit, und schließlich bist du fähig, bei jedem Schmerz deine Ruhe und Heiterkeit zu bewahren.«

Marc Aurel bestätigt diese Erfahrung: »Ist ein Schmerz wirklich unerträglich, führt er aus dem Leben; dauert er fort, lässt er sich ertragen; durch Versenkung in sich selbst bewahrt der Geist seine Gelassenheit und Überlegenheit. Er selbst leidet weder Schmerz noch Schaden.«

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