48. Rechte Sicht

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Untertitel

Um die Ruhe des Gemüts zu sichern, bedarf es der rechten Sicht. Es gilt, uns in Bezug auf uns selbst und andere, auf Dinge und Umstände von falschen Ansichten und Meinungen frei zu halten. Gleich notwendig ist nach Seneca das rechte Gehör:

»Unser Ohr sollten wir nie denen leihen, die falsche Anschuldigungen gegen Dritte vorbringen. Ebenso sollten wir die Miene, das Lachen oder die Worte anderer nicht falsch auslegen und uns dadurch verstimmen oder in Erregung versetzen lassen. Vermutungen trügen zumeist. Hier tut Unbefangenheit Not und wohlwollende Beurteilung der Umstände.

Sagt man dir von einem, er habe übel von dir gesprochen, so überlege, ob du es vielleicht zuvor getan hast; besinne dich über wie viele du so sprichst. Manche tun uns nicht Unrecht, sondern erwidern es nur; andere wissen nicht, was sie tun; wieder anderen lag die Absicht fern, uns wehe zu tun. Frage jeder sich selbst, wie oft er auf einen falschen Verdacht geriet, wie manche er erst, nachdem er sie gehasst, zu lieben anfing, so wird er nicht so schnell zürnen, zumal wenn er sich bei vermeintlichen Kränkungen im Stillen sagt: so habe ich es auch schon gemacht...«

Marc Aurel ergänzt Senecas Worte: »Erkenne, dass ein Mensch, der sich gegen dich wendet, aus Unwissenheit handelt und dir zudem verwandt ist: nicht vom Blute, sondern vom Geiste und von der göttlichen Bestimmung her! Darum sind Streit und Feindschaft der Menschen untereinander wider die Natur und Kränkungen des göttlichen Geistes, der uns alle eint.

Aus zwei Gründen solltest du mit dem, was dir widerfährt, einig gehen und zufrieden sein: einmal, weil es dir wie eine heilsame Medizin verordnet wurde, weil es in Verkettung mit einer langen Reihe vorausgegangener Ursachen von der Vergangenheit her auf dich Bezug hatte und weil dein Dasein und dein Geschick ein harmonisches Ganzes bilden, zum anderen, weil es für den göttlichen Lenker des Weltgeschehens Teil seines gedeihlichen Wirkens ist. Das Weltganze würde in seiner Harmonie gestört, wenn du am Zusammenhang der Teile wie der wirkenden Ursachen etwas gewaltsam ändern wolltest; und das versuchst du, wenn du unzufrieden, ungelassen und auf Abwehr eingestellt bist.

Bei allem, was dir widerfährt, richte deinen Blick zuerst in dein eigenes Inneres. Denn letztlich liegt hier die Ursache dessen, was dich noch leiden lässt. Sieh und tu das Gute und erwarte dafür keinen Lohn; denn dazu bist du da, Gutes zu tun.

Wer solchermaßen bewusst und willig dem Ganzen dient und bei allem, was ihm begegnet, gelassen bleibt, der empfängt von selbst das Seinige.«

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