47. Gemütsruhe

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Untertitel

In der Nähe der Weisheit wohnt die Ruhe. Wenn wir sie nicht in uns finden, suchen wir sie in der ganzen Welt vergeblich, wie Seneca uns belehrt:

»Erstes Anzeichen einer gesunden Geistesverfassung ist, dass man gelernt hat, zur Ruhe zu kommen und bei sich selbst zu verweilen. Wer überall sein will, ist nirgends zu Hause.

Schon Plutarch sagt von der Gemütsruhe, dass sie jede Erregung und Aufwallung von vornherein ausschließt und jede Beeinträchtigung des seelischen Gleichgewichts fernhält. Und wie gelangt man dahin, dass das Gemüt sich immer gleich bleibt und seinen eigenen Zustand mit Vergnügen betrachten kann, dass es diese Euthymia, diese wohlgemute Freude, wie die Griechen es nennen, nicht unterbricht, sondern in dieser Gelassenheit verbleibt? Wie beseitigt man den Wankelmut, den Überdruss und das Missfallen an sich selbst, den Neid über das Emporkommen anderer, den Zorn gegen das unfreundliche Schicksal, die krankhafte Sucht nach Veränderung, kurz: die ruhelose Flucht des Menschen vor sich selbst?

Das Beste hiergegen ist, Athenodorus sagt, seine täglichen Aufgaben, seine Berufspflichten voll und ganz zu erfüllen. Denn wie es für den Athleten das beste ist, wenn er seine Muskeln ständig durch Anstrengung stärkt, so für uns, in steter Tätigkeit zu sein. Eine große Seele findet aber auch in der Freizeit, im Privatleben genug Gelegenheit, sich frei zu entwickeln und jedem Überdruss am Leben zu entgehen.

Neben dem äußeren Tätig sein müssen wir oft in uns selbst hineinschauen. Denn das sicherste Fundament der Gemütsruhe und Gelassenheit ist das eigene Selbst, und der kürzeste Weg dorthin ist die Selbst-Einkehr. In zweiter Linie gilt es dann, auf jene zu schauen, für die oder mit denen wir zu wirken haben. Bei ihnen wie bei uns selbst werden wir den Maßstab prüfend anlegen, damit nicht Dinge unternommen werden, die unserem wie ihrem Wesen und Vermögen nicht gemäß sind.

Sodann werden wir immer erneut prüfen, worauf wir uns einlassen, und unsere Kräfte mit den Aufgaben vergleichen, an die wir uns wagen. Denn immer muss der Bewegende mehr Kraft haben als die Last. Zudem sind manche Geschäfte vielleicht nicht groß, aber folgenreich und ziehen andere Aufgaben nach sich. Auch sehe man darauf, dass man nichts beginnt, von dem man später nicht leicht zurücktreten kann.

Ebenso wird man bei der Wahl seiner Mitarbeiter überlegen, ob sie es Wert sind, dass man ihnen einen Teil seiner Zeit, seines Lebens opfert – und ob ihnen die Hergabe unserer Zeit auch wirklich zugute kommt. Erquickend ist es, wenn wir unter diesen treue Freunde finden, deren Gegenwart uns beruhigt. Dazu gilt es solche zu wählen, die soweit wie möglich frei von Leidenschaften sind. Ihre Gelassenheit wird auch uns dienlich sein.«

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