46. Die Goldene Regel 2

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Untertitel

Um weiser und glückfähiger zu werden, müssen wir, wie Seneca sagt, nicht nur lernen, gern zu geben -- im Geiste der Goldenen Regel rechten Lebens --, sondern auch, freudig zu empfangen:

»Als Spender des Guten sollen wir erkennen, dass wir nichts in Rechnung zu stellen haben, und als Empfänger, dass wir über das uns zuteil Gewordene hinaus zum Gutsein und Guttun aufgefordert sind.

Immer betimmt die Gesinnung den Wert der Leistung. Nicht Geldes wert macht das Wesen und den Wert rechten Gebens und Empfangens aus, sondern die Einstellung, aus der heraus etwas getan und entgegengenommen wird. Die Gesinnung ist es, die selbst die winzigste Gabe groß macht und große Geschenke entwertet. Rechtes Geben ist ein Handeln, zu dem man aus innerstem Antrieb bereit ist, das im Spenden selbst Freude empfinden lässt und auch dem Beschenkten nur Freude bereitet.

Ein rechter Geber ist demgemäß, wer das, was er gibt, gern gibt, mag es groß oder klein sein, und es als Geschenk und Beglückung empfindet, dass er geben durfte, ohne dabei auf Gegengaben zu rechnen.

Wir geben richtig, wenn wir so schenken, wie wir selbst empfangen möchten -- schnell und ohne Zögern und Hintergedanken. Recht handelt, wer Wünschen anderer zuvorkommt, um sie der Notwendigkeit des Bittens zu entheben. Noch besser ist es, wenn der Beschenkte nicht weiß, von wem er die Gabe empfing. Denn wer möchte, dass er es weiß, sucht im Grunde einen Schuldner.

Richtig geben heißt mit Weisheit geben. Man muss darauf achten, dass man nicht zur unrechten Zeit und am unrechten Orte die unrechten Mittel gibt. Es gibt Dinge, die schädlich sind für die, die sie erstreben und empfangen. Manchmal ist, nicht zu gewähren, auch eine gute Tat. Wohltaten sollen nicht nur Freude, sondern dauernden Segen bringen.

So handelnd, erweist sich der gute Mensch als Schüler und Nacheiferer Gottes, des Geistes des Guten. Sein Gutsein durch-lichtet und veredelt alles Leben. Seine Güte macht ihn zum Meister über fremde wie eigene Not. Seine Güte nimmt zu, je mehr sie sich verschenkt. Je umfassender sie wird, desto weiter erstreckt sich die Fähigkeit, glücklich zu sein und glücklich zu machen.«

Sie ist zugleich der sicherste Schutz dagegen, dass, wie Seneca sagt, »Freudenzeiten selten lange dauern«. Wer dem alten Rat folgt: »Lass keinen Tag zu Ende gehn, an dem nicht, eh' der Abend naht, ein Liebeswerk von dir geschehn, sei's gutes Wort, sei's gute Tat,« der schafft schließlich gewohnheitsmäßig ständig neue Freudentage und erhebt sich damit unmerklich über den Wechsel und Wandel der Dinge.

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