44. Weisheiten vom Wege

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Untertitel

Im Grunde gibt es für den Menschen nur ein Unglück, sagt Seneca, nämlich dass er Dinge, Umstände und Ereignisse als Unglück ansieht. Denn eben dadurch macht er sie erst dazu:

»Wer weise werden will, muss als erstes erkennen, dass jeder Zustand und Umstand einstellungs- abhängig und dem Wechsel unterworfen ist, dass alles, was anderen geschah, auch ihm zustoßen kann, und dass alles überwindbar ist.

Als zweites sollte er dem Hin und Her rennen Einhalt gebieten, das vielen Menschen eigen ist, die die Straßen, Marktplätze und Versammlungsstätten füllen, ohne Lebensziel umherschweifen und das tun, auf das sie gerade stoßen, statt zielbewusst das zu erledigen, was sie sich vorgenommen haben. Wer viel betreibt, sich viel herumtreibt, räumt dem Zufall Gewalt über sich ein.

Drittens gilt es, die Forderung der Natur zu erfüllen, durch sein Dasein und Wirken möglichst vielen Wesen zu nützen; geht das nicht, dann wenigen, geht auch das nicht, seinem Nächsten. Wer sich anderen nützlich macht, dient dem Ganzen und wird im gleichen Masse vom Ganzen getragen und gefördert. Wer sich verschlechtert, schadet nicht nur sich selbst, sondern auch allen, denen er, wäre er besser geworden, hätte nützlich sein können.

Dass so viele schlechter sterben, als sie geboren wurden, ist ihr eigener Fehler, nicht der der Natur. Diese könnte sich mit Recht beklagen: >Ich habe euch ohne Furcht und Begierden, Aberglauben, Entschlusslosigkeit und all die anderen Gebrechen geschaffen, mit denen ihr euch herumplagt; so geht doch hinaus, wie ihr eingetreten seid!< Der hat die Weisheit erfasst, der richtig lebt und ebenso sorglos von dannen geht, wie er geboren wurde. Aber die wenigsten sorgen, dass sie weise, sondern nur, dass sie lange leben, obwohl allen gelingen kann, weise zu leben, keinem aber, sein Dasein über das ihm bestimmte Maß hinaus zu verlängern.«

Vor allem gilt es, wie Marc Aurel ergänzt, bewusst zu leben, wenn man weiser werden will:

»Bewusst lebt, wer den Augenblick ansieht als die einzige Zeit, die ihm gehört, und erkennt, dass es unwichtig ist, ob er im Kreislauf des ewigen Wandels dieselben Dinge kürzere oder längere Zeit um sich hat. Denn auch im Tod verliert man nur den gegenwärtigen Augenblick, weil man nur diesen besitzt.

Nütze darum jeden Augenblick, jede Stunde, jeden Tag, als wäre es der letzte, und gib ihm dein Bestes. Mache dich dabei weder zum Tyrannen noch zum Sklaven anderer Menschen. Darauf beruht die Glückseligkeit des Lebens. So lebend bist du wie ein Priester: innig vertraut mit der Gottheit, die in dir ihren Tempel hat und dich fähig macht, deine Bestimmung zu erfüllen auf deiner Bahn zur Vollendung.«

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