41. Vervollkommnung-Stufen

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Die Übel des Daseins lassen sich erfolgreich nur dadurch bekämpfen und überwinden, dass wir uns selbst vervollkommnen in der Weisheit und in der Liebe. Seneca teilt die danach Strebenden in drei Gruppen:

Die erste Gruppe umfasst die, welche die Weisheit zwar noch nicht besitzen, aber doch schon in ihrer Nähe angelangt sind. Es sind jene, die schon alle Leidenschaften und Fehler abgelegt haben und alles lernten, was sie in der Erden schule aufzunehmen hatten, deren Selbstvertrauen aber noch nicht erprobt ist; sie haben ihr Gut noch nicht in der Übung. Sie wissen nicht, dass sie wissen. Es ist ihnen zwar schon das Glück geworden, ihr Gut zu genießen, aber noch nicht, darauf zu bauen. Sie sind den Krankheiten der Seele bereits entgangen, aber nicht den Affekten.

Um das zu erklären: Krankheiten sind veraltete und verhärtete Gebrechen wie Habsucht und Geiz; haben sie sich einmal des Gemüts bemächtigt, so haben sie auch schon begonnen, beständige Übel desselben zu werden. -- Affekte sind verwerfliche plötzliche und heftige Bewegungen des Gemüts, die, häufig eintretend und vernachlässigt, eine Krankheit erzeugen; wie ein einziger Katarrh Husten auslöst, ein anhaltender und veralteter aber Schwindsucht. Daher sind die Fortgeschrittensten von Krankheiten frei, Affecte aber empfinden auch die der Vollendung nahe Stehenden.

Die zweite Gruppe besteht aus denen, die zwar die größten Übel und Affekte des Gemüts abgelegt haben, jedoch nur soweit, dass sie noch nicht im sicheren Besitz der Sorglosigkeit hinsichtlich ihrer selbst sind. Sie können noch in den früheren Zustand zurückfallen.

Die dritte Gruppe ist frei von vielen und großen Gebrechen, aber nicht von allen: sie hat sich zum Beispiel der Habsucht entäußert, fühlt aber noch den Zorn; sie wird nicht mehr von der Wollust angefochten, wohl aber vom Ehrgeiz; sie begehrt nichts mehr leidenschaftlich, fürchtet aber noch dies oder jenes; sie verachtet den Tod, scheut aber den Schmerz.

Es steht wohl um uns, wenn wir auch nur dieser Gruppe angehören. Bei sehr glücklicher Anlage und großem ausdauerndem Eifer wird auch die zweite Stufe erreicht; doch ist auch schon jene dritte Stufe nicht zu verachten. Bedenke, wie viel Böses du um dich her erblickst, wie viel täglich gesündigt wird, und du wirst einsehen, dass wir schon viel erreichten, wenn wir nicht zu den Schlechtesten gehören.

Aber welch herrlicher Lohn erwartet uns, wenn wir uns von den uns anhaftenden Mängeln und Leiden völlig losreißen! Weder Begierde noch Furcht wird uns dann berühren; wir werden weder vor dem Tode noch vor dem Schicksal erbeben. Uns erwartet die Seelenruhe und Gelassenheit des Weisen und, nach Verbannung aller Irrtümer, vollkommene Freiheit: die Freiheit, nichts mehr zu fürchten und völlig Herr unserer selbst zu sein.

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