34. Widerstände als Kräftewecker

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Untertitel

Alle Kraft wächst am Widerstand, sagt Seneca. Hier seine Erläuterung dieser Wahrheit:

»Einen väterlichen Sinn hat die Gottheit gegen die Guten: sie sucht sie durch Arbeit, Mühe und Widerstände rüstig zu erhalten, damit sie zunehmend an Kraft gewinnen. Ohne Widerstand erschlafft die Tugend. Unangefochtenes Glück hält keinen Schlag aus. Aber wo man mit Widerwärtigkeit beständigen Kampf hat, gewinnt man für die Schläge eine harte Haut und gibt keinem Übel nach; und ist einer auch gefallen, kämpft er noch auf den Knien.

So ist das kein Übel, was zuerst so scheint. Was du unfreundlich, widrig, verwünschend-wert nennst, ist zum Besten derer, die es trifft, wie zum Besten aller. Demetrius sagt treffend: >Niemand erscheint mir unglücklicher als ein Mensch, dem nie eine Widrigkeit zugestoßen ist<; denn es ist ihm nicht geworden, sich und seine Kraft kennenzulernen. Er schien den Göttern nicht wert, einmal ein Unglück zu überwinden.

Als Schande empfindet es der Gladiator, mit einem Schwächeren zu streiten. Genau so macht es das Schicksal: es sucht die Stärksten, ihm gewachsenen auf. An den übrigen geht es verächtlich vorüber.

Du bist ein großer Mann? Woher weißt du das, wenn das Schicksal dir nicht Gelegenheit gab, deine Tugend, deine Kraft an den Tag zu legen? Denn zur Kenntnis seiner selbst bedarf es der Erprobung. Wahre Tugend denkt an ihr Ziel, nicht an ihre Leiden. Dass und was sie dulden muss, ist ein Teil ihres Ruhms.

Zittert also nicht vor dem, was euch die Gottheit als geistiges Anregungsmittel sendet. Jedes Missgeschick ist Gelegenheit, eure innere Kraft zu entwickeln. Kraft- und Tugendproben sind nie bequem. Schlägt uns das Schicksal, wollen wir es leiden: es ist nicht Grausamkeit; ein Wettkampf ist es; und je öfter wir ihn bestehen, desto mehr Kraft gewinnen wir. Wir müssen dem Schicksal hingegeben werden, damit es uns gegen sich selbst zur Ausdauer gewöhne. Allmählich lehrt es uns, ihm gewachsen zu sein.

Ene weise Führung leitet uns und hat schon bei unserem Eintritt in die Welt entschieden, wie viel jedem von uns zugeteilt sein soll. Doch geschieht nichts im Leben ohne Ursache. Eine Ursache steht unter dem Einfluss der anderen, und die Angelegenheiten und Geschicke des Einzelnen und des Ganzen hängen in langer Folgen-reihe zusammen. Darum mutig alles getragen, weil alles nicht zufällig eintritt, sondern notwendiges Glied in der Kette der Ursachen und Folgen ist.

Dass ein Mann in die Welt trete, dazu ist ein kräftiges Geschick vonnöten. Feuer erprobt das Gold, Widerstand kräftigt Naturen, deren Gesinnung kein Anprall widriger Schicksale ändern kann. So lehrt das Leben: Wer auf seine eigene Kraft vertraut, ist mächtiger als das Schicksal.

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