31. Gesinnung und Lebens-Richtung

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Untertitel

Es ist eine alte Erfahrung, dass die der Einstellung zugrundelegende Gesinnung des Menschen den Verlauf seines Daseins bestimmt. Was versteht Seneca, der gleiches lehrt, unter >rechter Gesinnung?<

Eine Seele, die das Wahre erkennt, die weiß, was zu fliehen und was zu erstreben ist, die den Wert der Dinge nicht nach ihrem Schein, sondern nach ihrem wahren Wesen bestimmt, die in das Innere des Weltganzen eindringt und jedem Teile desselben ihre Betrachtung widmet, aufs Denken wie aufs Handeln gleich bedacht, vom Widrigen wie vom Angenehmen gleich unbesiegt, keinem Geschick sich beugend, allem überlegen, was ihr widerfährt, bei aller Kraft besonnen und nüchtern, unverzagt und durch nichts beunruhigt, durch keine Macht gebrochen, durch kein Ereignis gehoben oder niedergedrückt – das ist rechte Gesinnung – wenn sie sich ganz offenbart... Allein sie hat viele Formen, die sich je nach den Umständen und Handlungen entfalten, ohne dass sie selbst deshalb geringer oder größer wird.

Niemand kann das Einzelne ordnen oder meistern, es sei denn, er hat seinem Leben Zweck gegeben, seinem ganzen Denken und Tun ein letztes Ziel gesetzt. Niemand bringt ein Bild zustande, wenn er nicht zuvor mit sich einig ist, was er malen will. Deshalb scheitern so viele, weil sie nur über einzelne Abschnitte ihres Lebens meditieren, nicht über das ganze.

Wie wir oft Leute suchen, die neben uns stehen, so wissen wir meistens nicht, dass das höchste Gut, das wir suchen, als Zweck neben uns steht. Es bedarf keiner weitläufigen Untersuchung, was dieses höchste Gut sei: es ist das Sittlich-Gute, die rechte Gesinnung, die Tugend. Denn nicht die jeweiligen Umstände oder Verhältnisse machen die Dinge zu Gütern oder Übeln, sondern die Gesinnung, und wo rechte Gesinnung herrscht, hat alles gleiche Größe, wird alles zu einem Mittel zur Vollendung.«

Gleiche Erkenntnis leuchtet uns aus den Worten Marc Aurels entgegen:

»Nichts gewährt dem Menschen mehr Freude und Befriedigung, als wahrhaft menschlich zu handeln. Wahrhaft menschlich und recht gerichtet ist dein Wohlwollen gegen deinesgleichen, Verachtung der Sinnesreize, klare Unterscheidung der Vorstellungen, rechte Selbstbesinnung und Betrachtung der All -natur und ihrer Wirkungen und Vertrauen zur inneren Führung. – Wie eine Biene, die Honig bereitet, sei der Mensch, der Gutes tut: er posaunt es nicht hinaus und erwartet weder Lob noch Belohnung, sondern wendet sich dem nächsten guten Werke zu. Indem er so das, was im Augenblick zu tun ist, freudig wirkt und dabei dem Genius in ihm folgt, bewirkt er, dass es nichts gibt, was ihn hindern kann, ein recht ausgerichtetes und glückliches Leben zu führen.«

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