29. Adel der Seele

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Untertitel

Du kannst dich jederzeit aus der Masse herausheben und zu wahrem Menschentum und Menschenglück gelangen. Denn dies Gute hat die Lebens-Kunst, dass sie auf den Stammbaum achtet, wie Seneca sagt:

»Wenn man auf den Uranfang zurückgeht, stammen wir alle von Gott ab. In diesem Punkt sind wir alle von Adel und sollten daraus die rechte Haltung gewinnen. Aber vielen ist der Zugang zu diesem inneren Adel und seinen Rechten verschlossen. Ihnen kann philosophische Lebens-Kunst helfen.

Die Philosophie weist keinen zurück, wählt niemanden aus. Der Sonne gleich leuchtet sie allen. Sokrates war kein Hochgeborener, und den Plato empfing die Philosophie nicht als Adligen, sie machte ihn dazu. Welchen Grund hast du zu verzweifeln, diesen Gossen gleich werden zu können? Sie und alle Großen der Welt sind deine Ahnen, wenn du dich ihrer würdig zeigst – und dies wirst du immer, wenn du beharrlich strebst, dass du an Adel der Gesinnung von niemandem übertroffen wirst.

Wir alle haben gleich viele Ahnen vor uns; der Ursprung eines jeden von uns liegt über alle Erinnerung hinaus. Plato sagt, es gebe keinen König der nicht von Sklaven, und keinen Sklaven der nicht von Königen abstamme. Das alles hat ein langer Wechsel verwischt und das Schicksal zuunterst und zuoberst gekehrt. Wer also ist ein Adliger, ein Edel geborener? Der von der Natur zur Tugend wohl ausgerüstete. Nur hierauf hat man zu schauen.

Vom ersten Anfang der Welt ist uns bis heute eine abwechselnde Reihe von Vornehmen und Niedrigen vorausgegangen. Nicht ein mit verräucherten Ahnenbildern gefüllter Vorsaal macht uns zum Adligen; was vor uns war, ist nicht unser Eigentum, Die Gesinnung adelt den, dem es vergönnt ist, sich aus jedem Stand über das Schicksal zu erheben.

Man muss nicht darauf sehen, woher die Dinge kommen, sondern wohin sie gehen. Gibt es etwas, was das Leben glücklich macht, so ist dies mit vollem Recht ein Gut. Worin irren dann die meisten, die doch alle ein glückliches Leben ersehnen? Darin, dass sie die Mittel dazu für das glückliche Leben selbst halten und diese, während sie ihnen nachstreben, fliehen.

Um recht und glücklich zu leben, sorge, dass deine Haltung Größe zeigt. Groß ist, sich über Drohungen wie Versprechungen der Geschicke erhaben zu zeigen, Schicksalsschläge gelassen zu ertragen und, was immer auch geschieht, so hinzunehmen, als ob du es selbst gewollt hattest. Groß ist, im Auf und Ab des Lebens immer gleich gelassen auszuharren, Überfluss abzulehnen und dein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, dich nicht an die Dinge zu klammern, sondern dein eigener Herr zu bleiben.«

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