28. Freundschaft

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Untertitel

Es gibt viele Menschen, die wohl Freunde haben, aber keine wirkliche Freundschaft kennen, sagt Seneca, und erläutert das wie folgt:

»Wirkliche Freundschaft, die weder durch Hoffnung und Furcht noch durch die Sorge um den eigenen Vorteil zerrissen wird, ist nur möglich, wenn beide ein gemeinsames geistiges Streben nach dem Guten leitet. Schon wenn einer dem, den er für seinen Freund hält, nicht eben-soviel traut wie sich selber, kennt er das Wesen der wahren Freundschaft nicht. Nach geschlossener Freundschaft muss man trauen, vor ihrem Abschluss prüfen. Der Massenmensch prüft erst, wenn er geliebt, statt zu lieben, nachdem er geprüft hat.

Üeberlege lange, ob einer in deine Freundschaft aufzunehmen sei. Hast du es aber einmal beschlossen, dann nimm ihn mit deinem ganzen Herzen auf und sprich mit ihm ebenso offen wie mit dir selbst. Und lebe so, dass du dir nichts vertraust, was du nicht auch dem Freunde vertrauen kannst.

Hältst du deinen Freund für treu, wirst du ihn auch dazu machen. Denn manche haben schon hintergehen gelehrt, indem sie hintergangen zu werden fürchteten, und dem anderen durch Argwohn ein Recht geben, sich an ihm zu versündigen. Warum sollte ich in Gegenwart eines Freundes irgend ein Wort zurückhalten? Warum in seiner Gegenwart nicht allein zu sein glauben?

Sieh den Weisen: er ist zwar sich selbst genug; dennoch wünscht er einen Freund, einen Nachbar, einen Hausgenossen zu haben. Wenn ihn eine Krankheit trifft, ein Feind ihn einer Hand beraubt oder ein Unfall ihm ein Auge ausstößt, wird ihm genügen was übrig bleibt. Er vermisst nicht was ihm fehlt, wenn er auch lieber sähe, dass es da wäre. Insofern ist der Weise sich selbst genug; nicht dass er ohne Freund sein will, sondern dass er es kann. Dies meine ich so: wenn er ihn verliert, erträgt er es mit Gleichmut. Ohne Freund wird er übrigens nie sein; er hat es in seiner Gewalt, wie schnell er einen Verlust ersetzt.

Du fragst, wie er sich so schnell einen Freund verschaffen werde? Ich will es dir sagen mit Hecato: >Ich zeige dir ein Liebesmittel ohne Trank, Kraut und Zauberspruch: Willst du geliebt sein, so liebe!<

Wer nur an sich denkt und aus Ichsucht eine Freundschaft schließt, denkt falsch. Wie er angefangen hat, so wird er enden. Man verschafft sich einen Freund, um jemanden zu haben, den man in die Verbannung begleiten, für dessen Wohlergehen man sich opfern kann. Alles andere ist nicht Freundschaft, sondern Spekulation, die ihrem Vorteil nachgeht und berechnet, was sie gewinnen wird.

Wahre Freundschaft ist nur, wo Einheit herrscht. In ihr offenbart sich der Adel der Seele.«

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