27. Meide die Masse

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Untertitel

»Der Mensch der Masse hat keine Tugend, nur das Individuum hat sie«, wie ein Weiser sagt. Darum kommt es auf den Einzelnen an. Und wenn dieser zu einem glücklichen Leben gelangen will, muss er Senecas Rat folgen und die Menge meiden:

»Halte dich fern vom Menschengewühl und suche deinen Halt in dir selber! Denn noch kannst du dich dem Sog der Masse nicht mit Sicherheit überlassen. Selten bringst du dieselbe sittliche Haltung und Festigkeit, mit der du ausgingst, nach Hause zurück; immer wird etwas von dem, was du geordnet, in Unordnung gebracht; manches von dem, was du verscheucht glaubtest, kehr wieder...

Nachteilig ist jeder Verkehr mit der Menge. Da ist keiner, der uns nicht irgendeinen Fehler empfiehlt oder unvermerkt anhängt. Je größer die Menge, in die wir uns mischen, desto größer die Gefahr. Ein einziges Beispiel der Schwelgerei oder der Habsucht stiftet viel Unheil; ein weichlicher Lebensgefährte entnervt und verweichlicht uns allmählich mit; ein reicher Nachbar regt unsere Begierden auf. Darum ziehe dich in dich selbst zurück, soviel du kannst, und verkehre nur mit denen, die dich besser zu machen geeignet sind.

Demokrit sagt: >Einer gilt mir für das Volk und das Volk für einen.< Vortrefflich ist auch der Satz, den Epikur einem Genossen seiner wissenschaftlichen Beschäftigungen schrieb: >Dies schreibe ich nicht für viele, sondern für dich; denn wir sind einer dem anderen ein hinreichendes Publikum.< Dies musst du in deiner Seele verankern, um das aus dem Beifall der Menge entspringende Vergnügen zu verachten. Viele loben dich; aber welchen Grund zum Zufrieden sein hast du, wenn du ein solcher bist, den die Menge versteht! Nach innen sollen deine Vorzüge schauen.

Es ist gut, mit Unähnlichen, Andersdenkenden, andere Ziele Verfolgenden nicht unnötig zu verkehren. Wenn sie dich auch nicht ablenken, können sie dich doch hindern. Viel aber schadet schon, wer uns aufhält, zumal bei der Kürze des Lebens. Eile also und bedenke, wie sehr du deine Schritte beschleunigen würdest, wenn dich ein Feind vom Rücken her bedrängte. Dies geschieht wirklich: man setzt dir nach. Darum bringe dich in Sicherheit und suche lieber eine Freundschaft als tausend Verbindungen.

Die wenigsten gehören sich selbst an. Ich aber wünsche dir den Besitz deiner selbst, damit dein von unsteten Gedanken getriebener Geist festen Fuß fasst und sicher steht, an sich selbst Gefallen findet und nach Erkenntnis der wahren Güter -- die man besitzt, sobald man sie erkannt hat -- eines Zuwachses an Jahren nicht mehr bedarf. Der ist über alle Notwendigkeit hinaus und frei, der den Sinn seines Daseins erkannte.«

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