22. Verluste ertragen

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Untertitel

Den nie Zufriedenen, den immerfort Gierenden, ständig nach mehr Verlangenden erinnert Seneca daran, dass aller Besitz vom Schicksal nur geborgt ist:

»In Wirklichkeit besteht der ganze Besitz der Reichen wie der Armen nur in Schulden -- einerlei, ob er nun von Menschen oder vom Schicksal begorgt ist. Was uns auch von außen zufällt, Kinder Ehrungen, Reichtum – alles ist nur geliehener Prunk. Nichts davon bleibt uns. Das eine wird am ersten, anderes am zweiten Tage wieder davongetragen, und nur wenig bleibt uns bis zum Ende. Wir müssen, was uns auf unbestimmte Zeit gegeben wurde, ständig bereithalten und ohne Klage zurückgeben.

Welch Wahnsinn, bei Verlusten noch sich selbst zu strafen, indem man durch Klagen und Trauern um Verlorenes sein Leid von sich aus vermehrt! Warum klagen und beklagen wir uns? Weil wir nicht aufs Aufgeben vorbereitet sind, weil auch fremde Verluste uns nicht bewusst machen, das uns gleiches widerfahren wird. Darum trifft uns ein Verlust um so härter.

Was man hingegen in Gedanken schon durchlaufen hat, kann einen nicht mehr umwerfen. Wer auf alles vorbereitet der Zukunft entgegenblickt, der entzieht dem Übel, wenn es da ist, seine Kraft.

Aber warum -- so wird man mir entgegenhalten -- chtest du dann den Reichtum gering und besitzt ihn doch? Ich verachte ihn nicht, damit ich ihn nicht besitze, sondern damit ich ihn nicht mit Angst vor Verlust besitze und ihn zum Segen für möglichst viele Menschen weise nütze! Der Weise achtet keinerlei Gaben des Schicksals unwert. Aber er hängt sein Herz nicht an sie. Reichtum stimmt und erheitert ihn so, wie den Segelnden günstiger Fahrwind. Er weiß, dass der Wind ihm nicht gehört.

Höre also auf, dem Weisen den Besitz des Reichtums zu missgönnen oder zu verbieten. Die Weisheit ist keineswegs zur Armut verdammt. Ein Philosoph kann reich sein; aber sein Besitz ist nicht mit Tränen oder Blut befleckt und keinem geraubt, und seine Hingabe ist so segensreich wie sein Zufluss. Der Weise weiß um seine Aufgabe, mit seinen Gaben und Reichtümern so vielen wie möglich zu helfen. Gut-Tun ist im Fundament des Gut-Erdgehens.«

Der Weise folgt im übrigen dem Rat Epikurs: »Willst du, o Idomeneos, den Phytokles reich machen, so musst du nicht sein Vermögen vermehren, sondern seine Bedürfnisse vermindern.« Wahrer Reichtum gründet nicht in dem, was einer hat, sondern in dem, was er ist. Hier in ihm, ist der eigentliche und immerfort fließende Quell der Fülle und des Glücks.

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