20. Selbst-Erziehung

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Einige Hinweise, die hier zu geben sind, erstrecken sich auf das ganze Leben; ein kleiner Teil davon betrifft die Jahre der Erziehung. Viel wird gewonnen, wenn man schon dem Kind die Kunst des rechten Lebens beibringt, wie Seneca lehrt:

»Es wächst der Geist, wenn man ihn nicht einschränkt. Durch Strafen wird er geschwächt. Er hebt sich, wenn er gelobt wird, und gewinnt Selbstvertrauen. Damit diese nicht in Unbeherrschtheit und Übermut umschlage, muss die Mitte zwischen Zaum und Sporen gehalten werden; nur soll nie etwas Niedriges geduldet werden. Nie mache man es dem Kind nötig mit Erniedrigung zu bitten, lieber gebe man ihm seinen früheren Taten oder seinen Versprechungen für die Zukunft zuliebe etwas zu. Beim Wetteifer mit seinesgleichen lasse man es weder übertroffen werden noch sich erzürnen. Man sorge, dass er vertraut werde mit denen, mit welchen es wetteifert, dass es im Wettstreit nicht schaden zu wollen, sondern zu gewinnen sich gewöhnt. Man gebe ihm ein gewisses Maß an Erholung, lasse diese aber nicht zu Müßiggang und Trägheit ausarten. Denn nichts macht leichter unbeherrscht als eine weichliche Erziehung.

Für uns Erwachsene gilt gleiches: wer richtig denken gelernt hat, kann allem standhalten. Wenn die Tugend einmal die Seele abgehärtet hat, ist diese von allen Seiten her unverwundbar.

Wenn z.B. die Habsucht, von der noch zu sprechen ist, dich verlassen hat, wird dir auch der Ehrgeiz nicht zu schaffen machen. Wenn du bedenkst, dass die Geschlechtslust uns nicht zum Vergnügen, sondern zur Fortpflanzung des Geschlechts gegeben ist, so wird, wenn die Wollust dich nicht mehr mit ihrem Gifthauch berührt, auch jede andere Begierde an dir vorübergehen. Rechtes Denken und rechte Selbst-Erziehung schlägt nicht nur einzelne, sondern sämtliche Schwächen und Laster zugleich zu Boden. Es gibt keinen zuverlässigeren Beweis von Geistesgröße, als wenn man sich durch nichts, was einem auch begegnet, in Aufruhr bringen lässt.«

Marc Aurel sekundiert Seneca, wenn er die Selbst-Erziehung den Schlüssel auch zur Zufriedenheit nennt:

» Wenn du mit deinem Schicksal unzufrieden bist, bedenke, dass in allem Geschehen eine göttliche Vorsehung waltet und das Schicksals-Meisterung eine Frage der Einstellung ist. Treibt dich Gier nach diesem oder jenem, besinne dich, wie schnell alles ins Grab der Vergessenheit sinkt und wie nichtig alles Vergängliche ist. Zerstreue dich nicht und widerstrebe nicht, sondern ziehe in dich selbst zurück und bleibe frei. Damit beweist du deine Fähigkeit und das Maß rechter Selbst-Erziehung.«

Das gilt auch für das, was so viele Menschen lebenslang quält und fesselt: die Besitz-Besessenheit.

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