19. Zorn-Überwindung

Index

1. Woche
2. Woche
3. Woche
4. Woche
5. Woche
6. Woche
7. Woche
8. Woche
9. Woche
10. Woche
11. Woche
12. Woche
13. Woche
14. Woche
15. Woche
16. Woche
17. Woche
18. Woche
19. Woche
20. Woche
21. Woche
22. Woche
23. Woche
24. Woche
25. Woche
26. Woche
27. Woche
28. Woche
29. Woche
30. Woche
31. Woche
32. Woche
33. Woche
34. Woche
35. Woche
36. Woche
37. Woche
38. Woche
39. Woche
40. Woche
41. Woche
42. Woche
43. Woche
44. Woche
45. Woche
46. Woche
47. Woche
48. Woche
49. Woche
50. Woche
51. Woche
52. Woche
53. Woche
54. Woche
55. Woche
56. Woche
57. Woche
58. Woche
59. Woche
60. Woche
61. Woche
62. Woche
63. Woche
64. Woche
65. Woche
66. Woche
67. Woche
68. Woche

Untertitel

Im Blick auf das Sprichwort, dass, »wer im Zorn handelt, im Sturm untergeht«, sagt Seneca, dass »der Zorn nicht ohne Grund gefürchtet und nach Mitteln gesucht wird, ihn zu meistern. Manche Philosophen haben den Zorn einen vorübergehenden Wahnsinn genannt; denn er ist ebenso wenig Herr über sich selbst als dieser: er missachtet den Anstand, vergisst der innigsten Verhältnisse, halsstarrig erpicht auf das, was er angefangen, vernünftiger Überlegung unzugänglich, durch geringfügige Ursachen aufgeregt, zur Unterscheidung von Recht und Unrecht unfähig, dem einstürzenden Gebäude ähnlich, das über dem, worauf es fällt, zusammenbricht.

Und wie überwindet man den Zorn?

Am besten ist es, schon die geringste erste Aufwallung zurückzuweisen, sie im Keim zu ersticken. Denn wer angefangen hat, vom Weg der Natur abzuweichen, findet schwer zurück, weil die Natur weicht, wo die Leidenschaft einzieht. Gleich an den Grenzen muss man den Feind abhalten; denn einmal eingedrungen, unterhandelt er nicht mehr mit denen, die ja schon seine Gefangenen sind.

Ein anderes Mittel gegen den Zorn ist Aufschub. Fordere von ihm nicht, dass er verziehe, sondern dass er nachdenke. Er wird nachlassen, wenn er zuwartet. Versuche nicht ihn auf einmal zu entfernen; nimmt man Teil um Teil hinweg, wird man seiner ganz Herr werden. --

>Aber dem Feinde gegenüber ist Zorn doch angebracht?< fragst du. – Nein, gerade hier braucht es Selbst-Beherrschung und Mäßigung. Der Zorn stiftet keinen Nutzen. Er ist zur Unbesonnenheit geneigt; und während er andere in Gefahr stürzen will, nimm er sich selbst davor nicht in acht.

Zorn ist Schwäche. Von Seelengröße ist er ebenso weit entfernt wie der Übermut vom Selbstvertrauen. Es ist ein großer Unterschied zwischen erhabener und hochfahrender Gesinnung.

Den Worten Zorniger darf man nicht glauben: sie machen großen Lärm und drohen, inwendig aber ist die zaghafte Seele. Das ist die Einrichtung der Natur: was durch die Furcht anderer groß ist, ist auch von eigener nicht frei. Alles was schreckt, zittert auch. Darum bleibt der Weise unberührt vom Zorn. Er weiß, dass es nichts gibt, worüber der Mensch nicht Herr werden kann. Was der Geist sich vornimmt, bringt er zuwege. Durch Gelassenheit und Ausdauer erreichen wir Freisein auch von der Zorn-sucht. Und der Weg dazu ist nicht, wie manche wähnen, steil und rau; auf ebener Bahn gelangt man dahin. Nicht schwierig ist der Weg zu einem Zorn-freien glücklichen Leben. Betretet ihn nur mit guter Hoffnung und im Vertrauen auf die gütige Hilfe der Gottheit.«

Letztlich ist alles eine Frage der Selbst-Erziehung.

««    »»