18. Furchtlosigkeit

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Untertitel

Östliche Weisheit nennt »Furcht ist nichts als das, was die Menschen für Fürchtens-wert halten, wie Sicherheit dort ist, wo man gesichert sich glaubt.« Gleiches lehrte Epiket: »Schlimm ist es, in Bedrängnis zu leben; doch so zu leben drängt uns nichts.« Und Seneca sagt, warum das so ist:

»Weil überall Wege ins Freie führen. Danken wir Gott, dass der Furchtlose durch nichts Widriges festgehalten werden kann, weil er allein zu widerstehen vermag. Er weiß, dass die Dinge, die uns schrecken, zahlreicher sind als die, die uns drücken, und dass wir zumeist mehr an der Einbildung als an der Wirklichkeit leiden. Darum rät er uns, nie vor der Zeit unglücklich zu sein; denn was uns ängstigt wird vielleicht nie kommen oder ist noch nicht gekommen. Einiges also quält uns mehr, anderes eher, als nötig ist, wider anderes, was uns überhaupt nicht zu quälen brauchte. Wir vergrößern entweder unseren Schmerz oder nehmen ihn unnötig vorweg.

Obwohl der Grund der Furcht im Mangel an Kenntnis liegt, halten es doch die meisten für nicht der Mühe wert, Kenntnis zu gewinnen, um die Furcht zu verlieren. So kommt es dann, dass sie von Zukünftigem wie Gegenwärtigem gequält werden.

Üeber das Gegenwärtige ist das Urteil leicht: Ist unser Körper frei und gesund und wird ihm durch keine Verletzung Schmerz bereitet, so sehen wir gelassen zu, was da kommt; für heute hat es nichts auf sich.

>Aber es wird kommen!< meinst du? Dann sieh zu, ob sichere Zeichen für sein Kommen da sind; denn meist quälen uns Vermutungen oder Meinungen. Gar zu leicht geben wir dem Wahn nach, prüfen nicht, was uns in Furcht setzt, sondern zittern und wenden den Rücken.

Ist es wahrscheinlich, dass ein Übel eintreten wird, so ist es darum noch lange nicht wahr. Wie vieles kam unerwartet, wie viel Erwartetes blieb aus. Und was nützt es, seinem Schmerz entgegenzulaufen? Es ist Zeit genug dazu, wenn er da ist; indes richte den Blick auf Besseres! Dadurch gewinnst du Zeit. In ihr mag vieles dazwischentreten, was die kommende Gefahr zum Stillstand bringt oder beseitigt. Bejahe darum das Bessere!

Nur zu oft schafft die Seele sich falsche Bilder, sie denkt falsch oder fasst sie ein Wort von zweifelhafter Bedeutung in zu schlimmem Sinne auf oder stellt sich den Groll eines Anderen größer vor, als er ist. Das Leben wird aber sinnlos und das Elend maßlos, wenn man alles fürchtet, was man nur immer fürchten kann. Hier muss die Klugheit helfen: weise durch Geistesstärke selbst die Furcht vor dem Augenscheinlichen zurück oder vertreibe eine Schwäche durch eine andere und dämpfe die Furcht durch die Hoffnung. Glaube, was dir lieber ist, und bejahe deine Furchtlosigkeit, bis dein Mut größer ist als alles, was von außen an dich herantritt.«

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