17. Krankheit und Selbst-Beherrschung

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Untertitel

Die Krankheiten, die uns befallen sind nicht unüberwindlich, sagt Seneca. »Uns hilft die Natur, wenn wir die Heilung nur wollen. Zudem lässt sich jede Krankheit, jeder Schmerz geduldig ertragen und überwinden, wenn man das Äußerste, was sie drohen, verachtet.

Mache dir darum dein Leiden nicht selbst noch schwerer und belaste dich nicht mit Klagen! Leicht ist der Schmerz wenn die Einbildung ihn nicht vergrößert; wenn du anfängst dich zu ermuntern und zu bejahen: >Es ist nichts!< oder wenigstens: >Es ist unbedeutend< oder >Es geht vorüber<, wird er sogleich aufhören. Du machst ihn leicht, wenn du ihn dafür hältst.

Alles hängt von der Einstellung ab. Auch Schmerzen leiden wir gemäß unserer Einbildung. Jeder ist in dem Masse elend, als er es zu sein glaubt. Darum gilt es, alles Klagen schon über gehabte Schmerzen zu unterlassen und zu sagen: >Welche Qualen habe ich durchgemacht? Nie ging es mir schlechter. Ich glaube nicht, dass ich wieder aufkommen würde.< Selbst wenn es wahr wäre: es ist vorüber. Und es schadet nur, vergangene Schmerzen durch Daran denken wieder aufzufrischen und noch elend zu sein, weil man es gewesen ist.

Zwei Dinge also sind zu verbannen: die Furcht vor zukünftigen und das Andenken an vergangenes Ungemach. Denn jenes berührt mich noch nicht, dieses ist nicht mehr. Und unter der Widerwärtigkeit selbst tröste man sich: künftig ist es vielleicht Freude, der jetzigen Leiden zu gedenken. Wie schnell sind sie vorbei. Man gehe dagegen an; denn man wird besiegt, wenn man weicht; man siegt, wenn man gegen den Schmerz angeht.

Heute handeln viele so, dass sie den Einsturz, dem sie wehren wollen, durch furchtsames Denken selbst herbeiziehen. Wie der Feind für Fliehende verderblich ist, so dringt jedes Ungemach auf den Nachgebenden heftiger ein.

Das sei so schwer? Willst du lieber, dass ein Leiden langwierig, oder dass es heftig und kurz sei? Ist es langwierig, lässt es der Erholung Raum und muss notwendig abnehmen. Eine kurze jähe Krankheit aber tut eines von beidem: sie erlischt oder sie macht erlöschen. Was nun liegt daran, ob sie nicht mehr ist oder ich? In beidem liegt das Ende des Schmerzes.

Was liegt daran, wie schnell du eine Stätte verlässt, die du doch einmal verlassen musst? Richte deine Sorge nicht darauf, lange zu leben, sondern darauf, dass du recht und genug gelebt hast und aus deinem Dasein etwas machtest! Um lange zu leben, bedarf es der Hilfe des Schicksals; um recht und genug zu leben, der rechten geistigen Haltung. Diese aber liegt allein in deiner Hand.«

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