15. Lebens-Bedürfnisse

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Untertitel

Hier, in diesem Leben, in dem wir uns jetzt befinden, ist die Erfüllung unserer Lebens-Bedürfnisse, die Stätte des Glücks. Es liegt in uns selbst. Und ebenso liegen die Hindernisse in uns, wie Seneca klarstellt:

»Wir sind mit günstiger Beschaffenheit geboren, wenn wir ihr nur nicht untreu werden. Die Natur hat dafür gesorgt, dass es, um glücklich zu leben, keines großen Aufwands bedarf. Jeder kann sich glückselig machen. Die Umstände sind von geringer Bedeutung und haben nach keiner Seite hin großen Einfluss. Den Weisen machen weder günstige Umstände stolz, noch werfen ungünstige ihn nieder. Denn er weiß, dass alles von der Einstellung abhängt, und ist bestrebt, das meiste auf sich selbst zu setzen und alle Freude in sich selbst zu suchen.

Ich nenne mich keineswegs einen Weisen. Ich habe mich nur, was genügt, um alles Elend zu mildern, weisen Männern hingegeben und suche, ihnen nachzueifern. Diese heißen mich, ständig auf der Wacht zu sein und Angriffe des Schicksals, schon ehe sie nahen, gelassen ins Auge zu fassen. Nur für jene ist etwas hart, denen es überraschend kommt; leichter erträgt jedes Los, wer immer gegen alles gewappnet ist.

Nie habe ich meinem Los getraut, auch wenn es Freuden zu schenken schien: alles, was es mir zuteilte, habe ich an einen solchen Ort gestellt, wo es mir wieder genommen werden konnte, ohne dass es mich erschütterte. Ich hielt Abstand zwischen den Dingen und mir. So setzt man dem Leid wie der Freude ein unbeugsames Herz entgegen.

Ich habe stets geglaubt, dass in dem, was alle wünschen, nichts wirklich Gutes enthalten sei. Ich fand nur eitlen Schein, dem kein wahres Sein im Innern entsprach. Anderseits aber finde ich so auch in dem, was man als Übel bezeichnet, nichts so Schreckliches und Hartes, als der Wahn der Masse fürchten ließ.

Ist es nicht Wahnsinn, so vieles zu begehren, da der Körper so wenig fasst? Warum lauft ihr mit solcher Unruhe bald hier, bald dort hin? Warum häuft ihr Schätze auf Schätze? Ihr mögt euer Vermögen, eure Besitzungen erweitern, euren Körper werdet ihr doch nie für mehr aufnahmefähig machen. Warum also scharrt ihr so viel zusammen? Nicht auf die Größe des Vermögens, sondern auf die des Geistes kommt es an.

Der Geist ist es welcher reich macht. Dieser aber begleitet uns selbst in Not und Verbannung und hat immer an seinen eigenen Gütern Überfluss und Genuss. Der Körper mag hierhin und dorthin geworfen werden, Qualen und Leiden mögen sich an ihm üben; der Geist ist unverletzlich und ewig; an ihn kann niemand Hand anlegen.

Sorge darum, dass der Geist den Körper beherrscht. Und bedenke, dass nichts als der Geist bewunderungswürdig ist und dass nur er der Führer sei.

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