11. Mächtiger als das Schicksal

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Untertitel

Ein schicksals- überlegener Meister seiner selbst und seines Lebens kann jeder werden, der seinem inneren Genius folgt. Jeder trägt die Glücksmöglichkeiten des Daseins in sich; er muss sie nur erkennen und zur Entfaltung bringen.

Wie groß diese Möglichkeiten sind, verrät unsere Sehnsucht. Wer noch Sehnsucht nach Besserem fühlt, birgt Keime künftiger Meisterschaft in sich. Aber Sehnsucht allein trägt nicht ans Ziel; sie ist nur Wegweiser. Gehen musst du den Weg selbst. Er führt mit Sicherheit zu wachsender Überlegenheit gegenüber allen äußeren Dingen und Umständen:

»Auf Zerbrechliches stützt sich, wer an Dingen hängt, die von außen kommen. Denn alles, was an Freuden von dort kommt, zieht auch wieder hinaus. Was aber aus uns selbst entsprungen ist, ist treu und fest, nimmt zu und begleitet uns bis ans Ende. Das übrige, was der großen Masse Bewunderung entlockt, ist nur fruchtbringend, wenn der, der es besitzt, zugleich sich selbst in Besitz hat und nicht der Sklave seiner Habseligkeiten ist.

Es irrt, wer wähnt, dass das Schicksal uns irgendein Gut oder Übel zuteile. Es gibt nur den Stoff dazu, nur den Keim von Dingen, die bei uns – und durch uns – zu einem Gut oder Übel erwachsen. Denn mächtiger als das Schicksal ist die Seele: sie formt alle Dinge nach ihrem Willen und ist sich selbst die Ursache zu einem glücklichen oder unglücklichen Leben.

Der Unweise wendet alles zum Schlechten, auch, was mit dem Schein des Besten gekommen ist. Der Weise und Rechtschaffene verbessert das Schlimme des Schicksals, mildert das Harte und Herbe, indem er das Angenehme dankbar und bescheiden, das Widerwärtige standhaft und gelassen hinnimmt.

Dm, der so handelt, kann nichts Widriges widerstehen. Eine solche Seelenhaltung gewinnt, wer bedenkt, was alles der Wechsel menschlicher Dinge zur Folge hat, noch ehe er ihn erfährt, wer seine Lieben und seine Güter so besitzt, als werde er sie nicht immer besitzen und nicht unglücklicher werden, wenn sie ihm entgleiten.

>Vergänglich ist jedes Gut der Sterblichen<, sagt Metrodorus. Das gilt von den Gütern, nach denen alles rennt, um sie zu erhaschen. Und es gilt von der Furcht, sie wieder zu verlieren. Mehr leidet, als nötig ist, wer eher leidet, als nötig ist... Das wahre Gut aber stirbt nicht; es ist sicher und unvergänglich: die Weisheit und die Tugend. Diese allein werden uns als etwas Unsterbliches zuteil. Sonst aber ist es so: was immer es auch ist, dessen >Besitzer< du dich nennst – es ist nur bei dir, es ist nicht dein.«

Das einzige, was dein ist, bist du selbst. Und das einzige, was dich in allem Wandel und Wechsel der Dinge oben hält ist der Mut zu dir selbst.

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