10. Schule des Lebens

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Es gibt, nach einem Philosophen-Wort, »vieles das Leben angenehm und reich macht, aber nur eines, was es groß macht: das ist die Größe dessen, der es lebt.« Groß und dem eigenen Wesen gemäß zu leben lernt man in der Schule des Lebens, in der die Schüler durch Widerstände erprobt werden.

Man muss, wie Seneca sagt, »solange lernen, als man noch Mangel an Kenntnissen hat, also solange man lebt. Vor allem muss man, solange man lebt, lernen wie man leben soll. Im Gewiss sein, dass Gott auf das Wohl und das Vollkommener werden des Menschen bedacht ist, gilt es Schwierigkeiten furchtlos entgegenzutreten, sie als Ansporn und Proben zu werten und an ihnen unsere Willigkeit, sie zu meistern, zu beweisen. Den guten Steuermann lernt man im Sturm kennen, die Tauglichkeit und Kraft des Menschen, wenn Widrigkeiten seinen Weg kreuzen.«

Das Trostvolle dabei ist, dass unser Lernvermögen unbegrenzt ist: »Du kannst soviel fassen, wie du willst. Je mehr du in dich aufnimmst, desto größer wird dein Fassungsvermögen. Gott wendet in der Lebensschule das gleiche Prinzip an wie der Lehrer bei den Schülern: er verlangt ständig höhere Leistungen – vor allem von denen, auf die er größte Hoffnungen setzt. Was ist also verwunderlich, wenn die göttliche Führung edlen Geistern größere Prüfungen auferlegt als den anderen? Tapferkeits- und Leistungs-Erprobungen können nie schonend sein. Darum sollten wir uns dem göttlichen Lehrer, der es doch gut mit uns meint, bereitwillig zur Verfügung halten und uns vom Schicksal abhärten lassen. Nach und nach werden wir uns dem Schicksal gewachsen und schließlich überlegen fühlen.

Ein Baum ist nur dann fest und widerstandsfähig, wenn er oft vom Wind zerzaust wird; denn dann wurzelt er immer tiefer und steht immer unerschütterlicher da. Genau so lerne du, Schicksalsschläge gleichmütig standhaltend zu ertragen.«

Denke auch nie, du seist zu alt, um noch dazuzulernen, du habest bereits die volle Reife erlangt. Keiner hat in der Lebensschule je ausgelernt, keiner kann nicht noch vollkommener und tüchtiger werden, wenn er nur seiner inneren Kraft vertraut.

Marc Aurel sagt von dieser Kraft, dass sie »einem gewaltigen Strome gleicht, der alles mit sich fortreißt, weshalb der weise handelt, der dem inneren Rufe folgt und tut, was der göttliche Genius in ihm fordert. Er tut, was die Philosophie von ihm fordert und was seinem Wesen gemäß, seinem Wohle dienlich ist: er erfüllt sich mit Willigkeit und Gelassenheit gegenüber allem, was zwischen Tugend und Laster liegt, und folgt dem Willen der Gottheit. Damit aber wird er mächtiger als das Schicksal.«

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